(lat. Capsella bursa-pastoris L.)

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) kommt in ganz Europa auf Wiesen, Felder, an Wegrändern und Bachufern vor. Das blühende Kraut wird von April bis September gesammelt, im Schatten getrocknet, klein geschnitten und in dunklen Gläsern aufbewahrt. Die Inhaltsstoffe sind: Cholin, Acetylcholin, Tyramin und Gerbstoffe. Diese Stoffe haben in erster Linie eine gefäßregulierende und blutstillende Wirkung. Hirtentäschel wird bei Nasenblutungen, Magen-, Darm-, Nieren- und Wundblutungen gebraucht. Der Wirkstoff Thyramin hat eine zusammenziehende Wirkung auf die Gebärmutter, weshalb das Hirtentäschel als wehenanregendes Mittel eingesetzt wird. Auch die Darmbewegung und Darmtätigkeit wird aktiviert, so dass es eine stuhlgangfördernde Wirkung hat. Außerdem ist das Hirtentäschel eine kreislaufregulierende Heilpflanze. Sie ist sowohl bei zu niedrigem Blutdruck als auch bei zu hohem Blutdruck mit Pulsbeschleunigung zu empfehlen.

Paracelsus schreibt: „In der Bursa Pastoris (Hirtentäschchen) liegt die Kraft der Blutstillung bei Dysenterie und bei Menstruation. Nun ist in ihr auch die Macht, den Bauchfluß zu erzeugen, das Blut nicht zu stillen, sondern oft zu provozieren.“ (I, 444) In der Volksheilkunde wird das Hirtentäschel gegen Gicht, Gelbsucht und gegen innere und äußere Blutungen angewendet. „Die getrocknete Pflanze zu Pulver gestoßen und dieses auf frische Wunden gestreut, bringt die Wunden rasch zum Abheilen. Bei Nasenbluten schnupfe man den Tee auf. Nach Ansicht der Volksheilkunde soll man den Hirtentäscheltee bei Zuckerkrankheit, 2-3 Tassen am Tage, trinken. Als Vorbeugungsmittel bei voraussichtlich zu starker Regel, sei den Frauen geraten, etwa 8 Tage vor Eintreten der Regel 1-2 Tassen Tee unter Tags schluckweise zu trinken. Bei zu starker Regel nehme man jede Stunde 1 Esslöffel Tee ein.“ (Willfort, S. 201f)

 

Hirtentäscheltee:

Man nimmt 1-2 Teelöffel getrocknetes Hirtentäschelkraut und überseiht es mit einer Tasse heißem Wasser. Der Tee wird zugedeckt und 10 Minuten ziehen gelassen. Davon trinkt man während 1 bis 2 Wochen 2 bis 3-mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten.

 

Literatur

Paracelsus: Sämtliche Werke. Anger: Verlag Sick; 1993, Bd. I
Willfort, Richard: Gesundheit durch Heilkräuter. Rudolf Trauner Verlag, Linz; 23. Auflage 1986