Die Kunst des Heilens

§ 275 – Sechste Ausgabe

Die Angemessenheit einer Arznei für einen gegebnen Krankheitsfall, beruht nicht allein auf ihrer treffenden homöopathischen Wahl, sondern eben so wohl auf der erforderlichen, richtigen Größe oder vielmehr Kleinheit ihrer Gabe. Giebt man eine allzu starke Gabe von einer, auch für den gegenwärtigen Krankheitszustand völlig homöopathisch gewählten Arznei, so muß sie, ungeachtet der Wohlthätigkeit ihrer Natur an sich, dennoch schon durch ihre Größe und den hier unnöthigen, überstarken Eindruck schaden, welchen sie auf die Lebenskraft und durch diese gerade auf die empfindlichsten und von der natürlichen Krankheit schon am meisten angegriffenen Theile im Organism, vermöge ihrer homöopathischen Aehnlichkeits-Wirkung macht.

Die Wirksamkeit eines Arztes besteht nicht nur darin, ein richtiges Mittel einem richtigen Patienten zu geben. Sie hängt auch davon ab, wie wenig ein Mittel gegeben wird. Mit anderen Worten: Er sollte genauso viel umfassendes Wissen über die zu gebende Potenz wie über das Mittel selbst haben. Wenn ein Mittel in einer höheren als der erforderlichen Potenz gegeben wird, produziert es stärkere Symptome als die eigentliche Krankheit und schadet dem Patienten. Die Vitalkraft wird dadurch mehr belastet, wodurch sich das Leiden im Körper verschlimmert. Teile des Körpers werden zu leicht  beschädigt und von der natürlichen Krankheit ernsthaft angegriffen.

 

Erklärung

Wenn die gegebene Medikamentenmenge größer als erforderlich ist, vergrößert sich die Störung der Vitalkraft entsprechend. Eine größere medizinische Medikamentenmenge bedeutet, dass die gegebene Potenz geringer als erforderlich ist. Daher ist klar:

  1. Wenn ein Medikament mit höherer oder geringerer als der erforderlichen Potenz gegeben wird, schadet das dem Körper.
  2. Wird eine zu geringe statt einer zu hohen Potenz gegeben, entsteht ernstes Leiden. Schmerzende Empfindungen würden produziert werden. Die Symptome der bestehenden Krankheit würden sich vorübergehend verschlimmern, und es würde länger dauern, sie zu beseitigen. Wenn dasselbe Medikament gleich in einer höheren Potenz gegeben wird, würden alle Leiden verschwinden.
  3. Wenn ein Medikament in höherer Potenz als erforderlich gegeben wird, würde nicht viel Schaden angerichtet werden. Es geht tief in die Konstitution und setzt sich dort ab.
  4. All diese Schwierigkeiten entstehen bei den Panditen, die auf keinen Fall höhere als die 30er Potenzen anwenden. Die unterschiedslose Gabe höherer Potenzen birgt auch einige weitere Gefahren. Unabhängig von der Potenz wird ein Patient, wenn ihm eine Flasche Medizin gegeben und er gebeten wird, je eine Dosis am Morgen und Abend zu nehmen, unzähligen und ernsten Gefahren ausgesetzt.
  5. Wenn die Dosen täglich wie von Dr. Hahnemann vorgegeben wiederholt werden, sollten die Medikamente vom Arzt selbst auf die von ihm beschriebene Weise zubereitet und mit allmählich steigenden Potenzen gegeben werden. Wenn aber dieselbe Potenz angewendet werden soll, sollte sie nicht täglich gegeben werden. So lange es eine Besserung nach der ersten Dosis gibt, sollte keine zweite Dosis gegeben werden. Wenn jemand den Kauf von Medikamenten in einem Laden und deren tägliche einmalige oder zweimalige Einnahme empfiehlt, dann ist das große Unwissenheit und sehr schlimm.

 

Original in Telegu von Dr. E. Krishnamacharya
Übersetzung von Dr. E. Krishnamacharya

Foto entnommen  pixabay.com