Uranus

Uranus steht für die Kraft der Integration. Er ist der erste Planet, den wir nicht mehr mit bloßem Auge sehen können. Sein Aktionsradius liegt jenseits von Saturn und damit auch jenseits unserer Vorstellungskraft. Deshalb ist er in seiner Wirkung unvorstellbar und unvorhersehbar. Was auch immer er in unser Leben bringt – es wird überraschend, neu, andersartig, ungewohnt und fremd sein. Wir können das Neue freiwillig integrieren oder uns dagegen wehren, aber keinesfalls verhindern. Die Devise von Uranus ist “biegen oder brechen”. Entweder lassen wir uns auf den Wandel ein oder wir werden gewandelt.

Beruhigenderweise ist die Absicht von Uranos/Uranus voller Liebe, so erzählt es der Mythos. Er, der allumfassende Sternenhimmel, bedrängte jede Nacht seine Kinder im Schoß von Mutter Erde. Kronos/Saturn wehrte sich dagegen, schnitt ihm das samenspendende Zeugungsorgan ab und warf es hinter sich ins Meer. Daraus entstand die Göttin der Liebe. Sie verkörpert das schöpferische Potenzial des Uranus auf Erden.

Es heißt, dass sich der himmlische Vater nach seiner Kastration in den Hintergrund zurückzog. Wir sollten dies nicht als Bild der Unwirksamkeit missverstehen – im Gegenteil. Uranus hat die Liebe und weitere, verborgene Kräfte bereits in unser aller Leben implantiert. Zunächst mögen wir uns dessen nicht bewusst sein – genau wie Saturn, der die Kraft der Liebe unbeachtet hinter sich warf. Doch Himmel und Erde hatten von Anfang an einen Plan. Allerdings teilten sie diesen ihrem Sohn Kronos/Saturn erst nachträglich mit. So sehr sich dieser daraufhin wehrte, er konnte den Plan von Vater Himmel und Mutter Erde genauso wenig verhindern, wie wir dies können. Jupiter erlaubt uns, in das Spiel der uranischen Kräfte Einsicht zu nehmen, sie zu erfahren und deren Sinn zu erkennen. Er vertritt das himmlische Gesetz des Uranus, der das Gute für alle will.

Uranus ist der Allumfassende, der nichts und niemanden ausschließt. Alles Ausgeschlossene wird durch seine Kraft wieder hineingenommen und integriert. Hierfür zeugte Vater Himmel die drei Hundertarmigen: den Starken, den Begliederten und den Stoßenden. Diese fungieren als gewaltiger Vielfach-Rammbock, der alles Verhärtete und Ausschließende durchbricht. Das macht den Weg frei für das Neue und Bessere.

Saturn ist die Kraft, die verhärtet. Er bildet unsere Grenze, den persönlichen Horizont unserer Vorstellungen. Was wir uns nicht vorstellen können, erscheint uns unmöglich. Uranus durchbricht diese Grenze und bringt das scheinbar Unmögliche in unser Leben hinein – sei es durch die Kraft der Ideen, die unsere Vorstellungswelt mit einem Schlag niederzureißen vermögen, oder durch das Zusammenbrechen leblos gewordener Zustände. So oder so fallen erstarrte Mauern, damit Neues und vor allem Besseres in unser Leben dringen kann. Wer sich gegen diese Energie wehrt, wird den Wandel zunächst als Verlust erleben. Wer ihr freiwillig folgt und sich von den Wundern des Lebens überraschen lässt, kann den Wandel genießen. Die Welt mit anderen Augen sehen zu dürfen, ist ein wahrhaft göttliches Geschenk.

Jupiter wird zwar der Blitz zugeordnet, ursprünglich kommt dieser aber von Uranus. Er zeugte den Blitz, den Donner und die Helligkeit. Diese drei Kräfte stehen für das Prinzip der schlagartigen Erhellung des Bewusstseins. Eben wie ein Blitz führen sie zu einer enorm schnellen Ausdehnung von Luft. Luft symbolisiert unser Bewusstsein. Danach fällt donnernd die Mauer des Bewusstseins, die Schallmauer. Saturn setzt Grenzen, Uranus durchbricht sie. Der Sinn dieses schlagartigen Zerbrechens wird uns oft erst hinterher bewusst, wenn Jupiter in uns Einsicht gewonnen und sich unser Bewusstsein nach und nach ausgedehnt hat. Wie beim Donner dauert es, bis die neue Erkenntnis zu uns durchdringt und wir sie “hören” können. Das Niederreißen einengender, saturnischer Mauern ist ein Akt der Gnade und Liebe, der uns nicht weiter verhärten lässt, sondern von Altem befreit, wieder belebt und unser Leben erweitert. Auf diese Weise kommen wir unserer wahren Natur Stück für Stück näher.

Nichts wandelt einen so schnell wie die Liebe. Liebe ist die Kraft, die unsere Mauern, Beschränkungen, Vorbehalte und Bedenken im Nu zu Fall bringt. Aus freien Stücken geben wir dabei auf, was wir nicht wirklich brauchen. Die Liebe verbindet und befreit zugleich. Befreiung ist das Ergebnis von Uranus’s Kraft, Integration seine Methode und das Hervorbringen unserer wahren Natur sein Ziel. Bist du bereit, den plötzlichen Zusammenbruch gewohnter Lebenssituationen, fester Vorhaben und vermeintlicher Sicherheiten voller Hoffnung anzunehmen, zu genießen und dich für den neu entstehenden Raum zu öffnen?

… wird fortgesetzt 

 

Kontakt

benjamin.schiller.mail@googlemail.com

Foto

Dies ist ein Bild des Planeten Uranus, das 1986 von der Raumsonde Voyager 2 aufgenommen wurde.
Das Voyager-Projekt wird für die NASA vom Jet Propulsion Laboratory verwaltet. NASA/JPL-Caltech