Das Programmieren des Verstandes ist auf dem Vormarsch. Während solches Programmieren für geordnete Arbeitsabläufe notwendig ist, greift die Gewohnheit, alles zu programmieren, inzwischen auf die Freizeit über, die eigentlich zum Entspannen gedacht ist. Wenn die Freizeit ebenfalls verplant und jede Stunde mit Aktivitäten vollgestopft wird, geht das Beste von ihr verloren. Freizeit sollte mit Spontaneität als zugrundeliegendem Merkmal erlebt werden. Wenn man sie plant und ihren Ablauf vorher festlegt, bewirkt man genau das Gegenteil der eigentlichen Freizeit, nach der der Verstand sich sehnt.

Moderne Menschen haben die einfache Entspannungstechnik verloren. Der Verstand neigt dazu, planmäßige Tätigkeiten auch noch in den Freizeitbereich zu packen. Die Gewohnheit, die Freizeit als Punkt auf die To-do-Liste zu setzen, ist das Paradox der heutigen Freizeitaktivität. Infolgedessen kann man die Freizeit nicht genießen, obwohl doch genau das beabsichtigt war. Der nach allem greifende Verstand reißt die freie Zeit an sich und bleibt auch nach der so genannten Freizeit genauso wie vorher.

Die Angst, etwas nicht zu schaffen, reicht bis in die Freizeit hinein und deshalb wird auch die Freizeit durchgehend geplant. Aufgrund der gewohnheitsmäßigen Einstellung, Freude empfinden zu müssen, ist Freizeit keine freie Zeit mehr. Es ist ein Irrtum, wenn man meint, dass Freizeit zielführend sein muss. Deshalb versuchen die Menschen, in ihrer Freizeit mehr zu tun und sie genießen die freie Zeit kaum. Plant man z.B., einen Roman zu Ende zu lesen, Berge zu besteigen, durch Täler zu radeln oder Beach-Basketball zu spielen, wird die Freizeit in ihre entgegengesetzte Richtung gesteuert. Manche Menschen planen in ihrer freien Zeit das Auto zu waschen, die Fußböden zu wischen, im Hinterhof Gartenarbeiten zu machen usw. Solche Arbeiten mindern die Idee von der freien Zeit. Es wird immer schwieriger, sich von irgendeiner Art des Tuns fernzuhalten.

Irgendwie besteht im Denken der zwingende Druck, die freien Tage im Kalender mit der einen oder anderen Tätigkeit zu füllen. Solche Personen dringen sogar bis in die Zeit ihrer Freunde vor und verderben schließlich ihre eigene Freizeit und auch die freie Zeit der anderen.

Der Leitgedanke der Freizeit sollte sein, dass man an einem freien Tag die Dinge einfach geschehen lässt, statt sie herbeizuführen. Alle Dinge laufen besser und wir können Freude erleben, wenn wir nicht planen, sie in die Tat umzusetzen. Es ist an der Zeit, dass wir uns darauf besinnen, dass wir menschliche Wesen und nicht menschliche Macher sind.