Fieber – eine Gnade der Natur

Die Natur, das heißt die kosmischen Gesetze sind immer bemüht, alle Lebewesen von Krankheit zu befreien. Sie nutzen jegliche Möglichkeit, Heilprozesse in die Wege zu leiten. Die Menschheit hat über die Jahrhunderte immer mehr Angst vor diesen Heilprozessen bekommen, weil ihnen diese Selbstheilungskräfte immer weniger verständlich waren. Als Folge nahmen die Krankheitsprozesse eine immer virulentere Form an, wodurch noch mehr Angst ausgelöst wurde.

Wie konnten die Krankheitsprozesse so an Virulenz gewinnen? Als der Mensch diese Gesundungsprozesse unterbinden wollte, griff er zu Maßnahmen, die den natürlichen Heilungsprozess empfindlich störten. Dadurch blieb ein Rest der Krankheit und ihre tiefen Wurzeln im Organismus. Durch die Unterdrückung dieser Naturprozesse wurde die Aufmerksamkeit des Menschen von der wirklichen Bedeutung der krankmachenden Prozesse abgelenkt. Die Krankheit wuchs mehr oder weniger im Verborgenen und nahm an Kraft und Virulenz zu. Wenn ein Unkraut z.B. nur abgeschnitten und dann vergessen wird, ist es in kürzester Zeit größer als zuvor. Sobald ein Mensch einmal einen Gesundungsprozess unterdrückt hat, wird es ihm bei der nächsten Erkrankung noch schwerer fallen, durchzuhalten. Er wird eher geneigt sein, in die altvertrauten Muster der Unterdrückung zurückzufallen, zumal die Krankheiten inzwischen an Virulenz gewonnen haben. Über viele Jahrhunderte hat der Mensch zu immer stärkeren Unterdrückungsmaßnahmen gegriffen.

Eine langsame Umwandlung im menschlichen Bewusstsein fing vor ca. 200 Jahren an. Zuvor waren die Mächte der Zerstörung so stark, dass die Heiler ihre Sichtweise nicht öffentlich kundgeben konnten, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. Viele große Heiler wurden auf Grund ihrer Heilerfolge getötet; Paracelsus wurde gesteinigt und unzählige Heilerinnen als Hexen verbrannt.

Echte Heiler waren gezwungen, im Untergrund zu arbeiten. Mit dem Einsetzen des Bewusstseinswandels, der bis heute anhält, nahm die Virulenz der Krankheiten langsam ab – mit Ausnahme der Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

Trotzdem entwickelte die herrschende Medizin immer stärkere Unterdrückungsmaßnahmen. Diese Art der Medizin hielt mit der Gesamtentwicklung der Menschheit nicht mit. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden völlig neue Erkenntnisse und ein ungeheures Wissen über die Entstehung der Krankheiten und deren Heilung gewonnen. Die verschiedensten naturgemäßen Heilungsmethoden wurden und werden entwickelt. Die herkömmliche Medizin hat mit dieser Zunahme an Wissen nur insofern Schritt gehalten, als dass sie immer größere Gegenmaßnahmen erfand. Als Folge davon konnten die chronischen Krankheiten in ihrer Bösartigkeit ein ungeheures, bisher nie gekanntes Ausmaß annehmen. Die Entdeckung des Penicillins hatte die verheerendsten Folgen, denn alle Antibiotika sind, wie es der Name schon sagt, direkt gegen das Leben aller Geschöpfe gerichtet. Sie können solche Unterdrückungen anrichten, dass die Selbstheilungskräfte in manchen Fällen gar nicht mehr durchdringen können.

Die Angst vor Krankheiten ist heutzutage so verbreitet, dass beim geringsten Fieber Panik ausbricht. Fieber gehört zum Feuerelement. Das Feuer ist das höchste und das mächtigste von allen Elementen. Wenn es zugelassen wird und zu Ende brennen darf, dann verbrennt es alles Krankhafte und Unreine zu Asche. Und genau darin liegt der Sinn und Zweck des Fiebers: Giftstoffe im Körper zu verbrennen. Fieber begleitet viele akute Erkrankungen und kennt, entsprechend des Zustandes des Individuums und der Struktur der Krankheit, verschiedene Erscheinungsformen.

Wann ist das Fieber wirklich gefährlich? Bei Krankheiten, die einen gefährlichen Verlauf haben können. Dieser Punkt kommt nur dann zum Tragen, wenn der Gesundungsverlauf nicht naturgemäß unterstützt wird, oder wenn der Kranke seinen Körper drastisch heruntergewirtschaftet hat. Die Höhe des Fiebers entscheidet nicht über die Gefährlichkeit des Fiebers. Beim Fieber ist totales Fasten das oberste Gebot. Hierbei wird das Naturwidrige der Antibiotika deutlich. Wenn sie über den Magen eingenommen werden, muss der Kranke etwas essen, da sonst die Magenschleimhäute zu stark geschädigt werden. Ferner müssen die Bedürfnisse des fiebernden Kranken unbedingt respektiert werden, z. B. Zufuhr von Frischluft, Wärme oder Kälte, Menge und Temperatur der Getränke, Ruhe oder Gesellschaft.

 

Viel trinken bei Fieber?

Flüssigkeitszufuhr bei Durstlosigkeit unterbindet den Heilungsprozess. Der Körper muss, um die Heilungsprozesse richtig durchführen zu können, bei bestimmten Zuständen eine trockene Hitze erzeugen. Bestimmte chemische Verbrennungsprozesse brauchen eine gewisse Blut- und Lymphbeschaffenheit. Die Zufuhr von Flüssigkeit würde Blut und Lymphe vorzeitig verdünnen und so den Prozess unterbrechen. Wenn man lange genug wartet, kommt der Durst genau zum richtigen Zeitpunkt und genau in dem Maße, wie es der Körper braucht. Ob der Kranke eiskalt oder heiß trinken möchte, entspricht immer dem Bedürfnis des Organismus, bestimmte chemische Reaktionen zu setzen.

Am Anfang einer akuten Erkrankung kann der falsche Hunger vorhanden sein, d.h. es ist kein richtiger Hunger da, nur die Gewohnheit irgendetwas zu essen. In Ausnahmefällen (z.B. bei Phosphor) gibt es jedoch auch den richtigen Hunger bei manchen Fiebernden. In so einem Fall muss der Hunger gestillt werden, aber mit ganz leichter Kost, z.B. gedünstetes Gemüse, Zwieback, Haferschleim. Irgendwann wird der Hunger dann ganz vergehen. Es gibt immer wieder merkwürdige Fälle, wo man mit großem Einfühlungsvermögen abklären muss, ob es sich um ein wirkliches Bedürfnis handelt.

Der folgende Fall soll das verdeutlichen: Ein etwa 10 jähriger Junge war schwer krank mit hohem Fieber. Er verlangte immer wieder nach Salami, die ihm natürlich nicht gegeben wurde. Er lag schon fast im Koma und rief in den kurzen Wachphasen nach Salami. Seine Mutter rechnete jetzt mit seinem baldigen Tod und dachte sich, jetzt mache es nichts mehr aus, sie könne seinen letzten Wunsch erfüllen und gab ihm eine kleine Salami zu essen. Und siehe da – der Junge wurde von Stund` an immer gesünder. Das ist echter Tuberkulinismus!

Wenn ein Kranker friert und alle Fenster geschlossen haben möchte, tut man ihm sicher nichts Gutes, für Frischluft zu sorgen. Wenn umgekehrt jemand sogar bei Lungenentzündung ständig nach kalter, frischer Luft verlangt und obendrein kaum zugedeckt sein will, wäre es in keiner Weise vorteilhaft, ihn gut zuzudecken und alle Fenster geschlossen zu halten.

Zur Veranschaulichung: Ein kleines Mädchen in Nordindien war an einer schweren Lungenentzündung mit hohem Fieber erkrankt. Um mich aufzusuchen, musste die Mutter mit dem fast im Koma liegenden Kind mitten im Winter in einem der üblichen offenen Rikschas über 15 km fahren. Dabei blies der kalte Wind ständig auf das Mädchen, und als sie bei mir um 2 Uhr nachts eintrafen, war das Kind wieder munter. Es sah nicht mehr so aus, als ob es vor wenigen Stunden schwer krank gewesen war. Ich gab eine Gabe Pulsatilla in Hochpotenz und bis zum nächsten Morgen war das Kind ganz gesund.

Abschließend lässt sich sagen, wenn jemand ein Fieber voll durchlebt und ausschließlich naturgemäß unterstützt, dann gelingt es der Lebenskraft, alles Krankhafte zu regenerieren.

Nach einer Fieberkur fühlt man sich wie neugeboren und erfreut sich eines ganz anderen Lebensgefühls. Es ist so wunderbar, dass man es eigentlich kaum beschreiben kann – man muss es erlebt haben!

 

Wadenwickel

Die allgemein verbreitete Angst vor hohen Temperaturen veranlasst viele, wenn auch nicht gleich zu fiebersenkenden Medikamenten, so doch zu abkühlenden Hausmitteln zu greifen; dazu gehört der Wadenwickel. Dadurch ist dem Körper nicht gedient. Die abkühlenden Maßnahmen sind aber selbstverständlich bei Lebensgefahr angesagt, oder wenn keine richtige homöopathische Hilfe gegeben werden kann.

Es können schon manchmal angsterregende Symptome auftreten, wie Delirien oder Fieberkrämpfe. Mit der richtigen homöopathischen Behandlung können solche Symptome sehr schnell unter Kontrolle gebracht werden. Auch hohe Temperaturen, die einige Tage andauern, hinterlassen bei einem gesunden Kind oder Erwachsenen keine Schäden. Es sei denn, dass unterdrückend behandelt wurde, der Kranke ein schwaches Herz hat oder durch sein hohes Alter geschwächt ist.

… wird fortgesetzt 

 

Literatur

Allen, H.C.: Die Heilmittel von Fiebern, Haug Verlag

Boericke, W.: Handbuch der homöopathischen Materia Medica, Grundlagen und Praxis Verlag

Clarke, J. H.: Der neue Clarke, Dr. Grohmann Verlag

Dewey, W.A.: Katechismus der reinen Arzneiwirkungslehre, Haug Verlag

Kent, J. T.: Zur Theorie der Homöopathie, Haug Verlag

Nash, E.B.: Leitsymptome in der homöopathischen Therapie, Haug Verlag

Roy,Ravi and Lage Roy, Carola: Homöopathischer Ratgeber 1,3,4,19,20
Selbstheilung durch Homöopathie, Droemer-Knaur Verlag.
Das Immunsystem stärken mit Homöopathie, Goldmann Verlag

Entnommen

Homoeopathischen Ratgeber HR 5 – „Grippe-Erkältungskrankheiten“, Lage & Roy Verlag D-82418 Riegsee-Hagen

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