Mars steht für unseren Willen und unsere Tatkraft. Er gibt niemals auf. Er ist die Kraft, die uns immer weiter voranschreiten lässt. Als Kriegsgott kämpft er solange, bis er erreicht hat, was er will. Wenn er nicht weiß, was er will, tut er sich schwer. Er braucht zum Handeln ein Motiv. Die Motive, die ihm am nächsten liegen, sind unsere Wünsche und Vorstellungen. Mit viel Energie versucht er sie über lange Zeit hinweg zu verwirklichen. Erst einen Wunsch, dann den nächsten und dann wieder den nächsten…..Eines Tages wird er jedoch müde – müde vom zu kurz andauernden Glück erfüllter Wünsche, müde von den Enttäuschungen, müde vom ständigen Kämpfen und Ringen.

Dieser Zustand wird im Mythos als Gefangenschaft im Fass beschrieben. Ein volles Mondjahr war Mars an die feste Form des Fasses gekettet. Er verlor immer mehr an Kraft, weinte und schrie. Hätte der Götterbote Merkur ihn nicht befreit, wäre er wohl zu einem Häuflein Elend geworden. Uns selbst ergeht es nicht viel anders. Auch wir sind an das Verlangen gekettet, unsere Wünsche zu verwirklichen. Wir wollten sie in eine feste Form gießen und fassen. Kaum haben wir uns einen Wunsch erfüllt, entsteht schon bald der nächste. Symbolisch beginnt dann ein neuer Mondmonat. Unsere Wunschkraft nimmt wieder zu und das Spiel fängt von vorne an – Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wir mögen das für normal halten und versuchen, das beste daraus zu machen. Doch wie oft sind wir wirklich erfüllt von unbändiger Energie, Tatkraft und Lebendigkeit? Wie frei ist der Mars in uns tatsächlich?

Persönliche Wünsche können in uns nicht die Kraft erwecken, die wirklich in uns steckt. Das kann nur die Liebe. Nicht umsonst kämpft sich Mars tagsüber durch die Schlachtfelder. Er will abends in den Armen der Liebesgöttin Venus liegen. So geht ihm nie die Energie aus. Venus ist das Elixier, das ihn anspornt und beflügelt. Die Liebe ist das Geheimnis hinter jedem durchkrafteten Leben.

Der Mythos verrät jedoch noch mehr. Venus war mit Vulkan, dem göttlichen Willen, verheiratet. Wer sich also mit der Liebe vereint, handelt im Einklang mit dem göttlichen Willen. Dies setzt pure Energie frei. Mit der Liebe im Gepäck ist nichts zu schwierig, nichts zu aufwendig, nichts unerträglich. Als Vulkan erfuhr, dass Venus und Mars sich in seinem Ehebett vereinten, band er beide mit einem unsichtbar feinen, doch unlösbaren Netz aneinander. Wegen des Ehebruchs rief er nach den Göttern und forderte insbesondere alle geleisteten Brautgeschenke vom Göttervater Jupiter zurück. Doch das war alles nur ein Aufstand zum Schein. In Wirklichkeit hatte Vulkan sein Ziel erreicht. Sein göttlicher Wille und Mars‘ menschlicher Wille waren nun eins.

Der gereifte und liebende Mars wird danach in die Obhut von Neptun gegeben. Wer diesen Wandel in seinem Leben erfährt, wird segensreiche Ereignisse erleben. Der Meeresgott Neptun ist zuständig für umfassende Strömungen und große Wellen. Er bewegt nicht nur einzelne Menschen, sondern viele zugleich. Durch seinen Einfluss dehnt sich die Wirkung unseres Handelns immer weiter aus. Unser Handeln wird überpersönlich, dient allen und durchdringt alles. Widerstände lösen sich auf und alles kommt in Bewegung. Mars erweist sich dann als Planet der Barmherzigkeit. Der Weg dorthin führt über die Liebe.

Mars und Venus vereinen die Gegensätze in uns. Sie ist die Göttin der Vollkommenheit und er der unvollkommenste aller Götter. Daher liegt in Mars unser größtes Entwicklungspotenzial und in der Liebe unsere größte Chance. Nichts wandelt einen schneller als die Liebe, nichts macht einen mutiger, nichts schenkt einem mehr Sinn. Damit wir der Liebe folgen können, befreit Merkur als Erstes den Mars in uns. Wir werden frei von Gedanken und Wünschen, die uns weder nachhaltig erfüllen noch dauerhaft durchkraften, sondern „an die Kette legen“ und erschöpfen. Merkur hilft uns aus dem „engen Fass“ unserer begrenzten Wunschvorstellungen heraus. Er erkennt den Unterschied zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir lieben. Diesen Unterschied können wir selbst ganz einfach feststellen: Sind wir bereit, für etwas alles zu geben, ohne dafür etwas zu bekommen? Liebe erwartet nichts, gibt aber alles. Der Wünschende will vor allem etwas bekommen und behalten.

Bist du bereit, für das, was du liebst, zu kämpfen und alles dafür zu geben und auch aufzugeben?

 

… wird fortgesetzt

 

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