Venus ist das, was uns fehlt. Sie ergänzt uns und rundet uns ab. Venus steht immer dort, wo wir noch nicht sind, aber eines Tages sein können. Sie zieht uns an, her zu sich an ihr Herz, damit sich das unsere öffnet. Durch sie tritt Schönheit in unser Leben, aber auch Verletzlichkeit. Ihre Schönheit gedeiht in unserer Nacktheit, der Offenheit und Blöße unseres eigenen Wesens. Mit ihr sind wir unverhüllt, ungeschützt, unvorbereitet zur Hingabe an eine Begegnung, die uns überrascht, entwaffnet, entkleidet und vollkommen in sich aufnimmt.

Venus, die Göttin der Vollkommenheit, gefällt den Menschen und Göttern zugleich -so sagt es der Mythos. Jede Begegnung mit ihr berührt unser inneres Wesen -das, was wir wirklich sind. Wer aber glaubt, nur perfekte Begegnungen, voll Harmonie und Glanz wären dieser Göttin würdig, täuscht sich. Tatsächlich wirkt Venus immer und in jeder Begegnung. Sie ist die vollkommene Antwort auf alles, die vollkommene Reaktion auf jede unserer Aktionen. Das macht ihre Vollkommenheit aus. In Konflikten sind andere weder gemein noch böse. Sie zeigen, was uns fehlt, und das ist fast immer Gelassenheit. Schaffen wir es, das in unser Leben hineinzulassen, was es für uns bereithält, anstatt dagegen anzukämpfen, sind wir gelassen. Bei jeder Gelegenheit ist es an uns, dem Leben das Fehlende hinzuzufügen, uns selbst, unseren Willen und unsere Kraft. Nur so wird es schön und vollkommen und nicht etwa dadurch, dass wir warten, bis es von alleine so wird.

Niemals sind wir von Venus getrennt, denn in jeder Reaktion des Lebens steckt ihr vollkommenes Wissen. Wir hätten gerne, dass das, was uns fehlt, angenehm und schön ist, aber das ist es nicht immer. Venus fordert das Aufgeben von Bequemlichkeiten und Sicherheiten, in die wir uns gerne zurückziehen. Die träge Bewegungslosigkeit der Gewohnheit und des ewig Gleichen erstickt den Keim des Lebendigen in uns. Oft spüren wir das und ändern doch nichts. Wir bleiben gefangen in unserer Komfortzone, die unser inneres Wesen abschirmt und nahezu unberührbar macht. Nicht umsonst behaupten Menschen nach einer Krise oftmals“, das war das Beste, was mir in diesem Moment passieren konnte”. Freiwillig hätten sie dies nie auf sich genommen. Auch das ist Venus, die Gestaltenwandelnde.

Stets gibt uns das Leben zur rechten Zeit einen Schubs. Es bietet uns eine Begegnung, eine Einsicht, Freude, Fülle, Trauer, eine Krise oder tiefen Schmerz. Wie auch immer uns das Leben begegnet, es stellt uns alles zur Verfügung, um daraus etwas Vollkommenes gestalten zu können. Ob wir diese Fülle nutzen, bleibt uns überlassen. Nichts wandelt einen so schnell wie die Liebe.

Jede Aktion führt zu einer Reaktion. Äußerer Widerstand ist die vollkommene Reaktion auf einen inneren Widerstand. Die Liebe reibt uns solange auf, bis wir alle inneren Widerstände aufgeben. Dadurch werden wir weich und geschmeidig. Wer dieses Gesetz verinnerlicht und sich nicht schont, befreit sich von allen seinen Lasten. Wer jedoch glaubt, das Leben meine es nicht gut mit ihm, der verkennt, was ihm Venus gerade entgegenbringt. Sie hat im Gegensatz zu uns das vollkommene Wissen. Sie weiß, was einem jeden von uns in seiner ganz individuellen Situation fehlt. Wenn wir unser Leben als leer und sinnlos empfinden, hat dies einen Grund: Unwissenheit. Wir wissen dann nicht, was uns fehlt und erkennen nicht, was wir lieben können. Zu dick ist unsere Schutzmauer, zu groß unsere Angst, wirklich etwas zu wagen. Unwissenheit ist ein Teil des Lebensspiels. Venus lockt mit ihrem Wissen, indem sie uns auf allen Ebenen anzieht und in eine echte Begegnung mit dem Leben hinein zieht. Dabei macht Gelassenheit alles leichter und am Ende auch gut.

Das Geheimnis von Venus liegt in ihrer Herkunft. Sie ist Teil des allumfassenden Sternenhimmels. Saturn, ihr Bruder, schnitt einst das Zeugungsorgan seines Vaters Uranus ab und warf es unbeachtet ins Meer. Auf diese Weise entstand Venus, die Schaumgeborene. Sie verkörpert die Schöpferkraft des Sternenhimmels, die uns hier auf Erden in Wellen entgegenkommt -mitunter diffus und undurchschaubar wie Schaum. Venus ist die Kraft, die alles zusammenführt und vereint: die Kraft der Liebe.

Liebe bedeutet, alles Fehlende solange hinzuzufügen, bis es möglichst vollkommen und dadurch vollbracht ist. Danach bringt einem das Meer des Lebens wieder eine neue Welle entgegen. Scheitern ist dabei ausdrücklich erlaubt. Venus, die Vollkommenste im Olymp, liebte gerade den Unvollkommensten aller Götter, den Mars. Wie viele Fehler hat dieser Gott gemacht und macht sie Tag für Tag durch einen jeden von uns. Doch das ist für Venus unwichtig. Alles ist erlaubt, nur eines nicht: Aufgeben. Mars gibt niemals auf und würde sogar sein Leben aufs Spiel setzen, nur um wieder in den Armen der Venus zu liegen und die Liebe ganz auskosten zu können. Venus bietet Vollkommenheit, Schönheit, Liebe und Anmut. Dafür fordert sie nur eines: dass du wirklich das tust, was du liebst, und alles dafür gibst.

… wird fortgesetzt

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benjamin.schiller.mail@googlemail.com

Bild

Diese globale Ansicht der Oberfläche der Venus ist bei 180 Grad östlicher Länger zentriert. Magellan-synthetische Apertur-Radar-Mosaike aus dem ersten Zyklus der Magellan-Kartierung werden auf einem Computer simulierten Globus abgebildet, um dieses Bild zu erzeugen.