(lat. Geum urbanum L., syn. Caryophyllata officinalis)

Die Nelkenwurz ist eine mehrjährige Pflanze mit einem starken Wurzelstock. Sie ist an Waldrändern, in Gebüschen und generell an schattigen, kühlen Stellen zu finden. Der Wurzelstock wird im März-April oder Oktober-November, am besten bei Vollmond oder abnehmendem Mond, gegraben und das blühende Kraut im Juni-Juli gesammelt. Die Wurzel wird gewaschen, im lichten Schatten getrocknet, dann in einige Zentimeter lange Stücke geschnitten und in Papier- oder Stoffsäcken aufbewahrt.

Die Inhaltsstoffe sind: Ätherische Öle, Eugenol (schmerzlindernde und antiseptische Wirkung), Gerbstoffe (3%), Bitterstoffe

Die Nelkenwurz hat verdauungsfördernde, zusammenziehende, blutstillende, anregende, herz- und nervenstärkende Eigenschaften. In der Volksheilkunde wird sie innerlich bei Durchfallerkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Magenentzündung, Fieber und bei Nerven- und Muskelschmerzen eingesetzt. Paracelsus sagt, dass alle fiebersenkenden Pflanzen gleichzeitig eine steinbrechende Wirkung haben, deshalb wird die Nelkenwurz auch als antidyskratische Pflanze eingesetzt.

 

Paracelsus verwendet somit Nelkenwurz auch, um den „Tartarus“ auszuleiten (I, 607). Eine wichtige Ursache für Krankheiten liegt gemäß Paracelsus in den Schlacken- und Giftstoffen, dem Schleim und den Ablagerungen im Körper. Paracelsus nennt solche Krankheiten Tartarus- oder Steinkrankheiten. Er sagt, Tartarus ist nichts anderes als das Exkrement (der Abfall, Unrat, Müll) von Speisen und Trank, welches im Menschen durch dessen Lebensgeister koaguliert. Vermischt sich dieser Tartarus nicht mit den Exkrementen des Menschen und wird er nicht mit diesen ausgestoßen, so hat das Konsequenzen. Daraus entstehen dann auf verschiedene Weise vielerlei Krankheiten. Denn alles, was wir essen und trinken, enthält Schleimiges, Lehmiges und Steiniges. Ist der Magen gesund und kräftig, scheidet er sofort das Unreine vom Reinen. Das Reine dringt zu den Gliedern, um sie zu ernähren, das Unreine tritt mit dem Urin oder Stuhl aus. Ist der Magen schwach oder krank, fault die Nahrung, woraus Schmerzen und andere Krankheiten entstehen können. Die Giftstoffe der Fäulnis wandern zur Leber, wo sie abgebaut und umgewandelt werden. Wird die Leber ständig mit Giftstoffen belastet, werden ihre Funktionen mit der Zeit beeinträchtigt, so dass sie ihre Aufgaben nicht mehr richtig bewerkstelligen kann. Man muss wissen, immer wenn der Alchemist (Magen, Leber) krank ist, und somit das Gift nicht mit vollkommener Kunst vom Guten geschieden werden kann, geht Giftiges und Gutes gemeinsam in Verwesung über, und es entsteht eine „Digestio“. (I, 137ff) Wir nennen dies heute eine „Dyskrasie“ oder eine Störung der Säftemischung und in der Ayurveda Medizin spricht man von „Ama“.

Paracelsus sagt nun: „Wer ein Arzt sein will, der soll die Signatur des Tartarus kennen, dann die Signatur der Arznei… (I, 610) „Jede Arznei gegen Tartarus soll so kräftig sein, dass sie den Tartarus löse, auflöse und zerstöre, so dass er eine Flüssigkeit, eine Gallerte, ein Schleim werde und nicht wieder koaguliere. Ist diese Zerstörung geschehen, treibt ihn die Natur aus. Deshalb sollen nur diejenigen Dinge gebraucht werden, die eine solche Arkana in sich haben. Sie haben die Kraft, den Tartarus im Menschen zu lösen, wie eine Säure (Aquafort) das Eisen. Dies sind keine Ätzmittel, sondern Arzneien… Wenn Gott die Dinge geschaffen hat, dass sie Eisen, Stein etc. zermahlen, lösen und zu einem Saft bereiten, so hat er auch der Arznei solche Kraft gegeben, dem Menschen behilflich zu sein, damit die Wunderwerke Gottes erfahren und gepriesen werden.“ I, 608 Die Nelkenwurz hat die Kraft und Signatur, den Tartarus auszuleiten und „Steine zu brechen“.

Paracelsus verwendet die Nelkenwurz auch als „Trank für das Gehirn“ (II, 462) Er sagt: „Es ist besser, wenn die Kraft der Wurzeln in Weingeist gebracht und gegeben wird, als wenn sie roh ist. Doch in jeder Weise ist die Wurzel eine nützliche Purgation.“ III, 607

 

Nelkenwurz-Tee

1TL (3 g) Wurzel mit 250 ml Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und schluckweise, 2 Tassen pro Tag trinken.

„Magen- und Verdauungsstörungen werden durch Tee von Kraut oder Wurzel günstig beeinflusst, er reguliert die Leber- und Gallefunktionen. Weißfluss, wie er bei nervösen Frauen häufig auftritt, wird durch Anwendung der Wurzel in Form von Tee oder Tinktur gebessert und geheilt. Überhaupt scheint sich das Nervenkostüm durch Nelkenwurz um einiges zu verbessern…

Geum urbanum, Wurzel oder Kraut, in ein Säckchen genäht und um den Hals gehängt (das Säckchen soll sich etwa in Herzhöhe befinden), soll herzinfarktgefährdete Menschen schützen. Dieses Mittel wird von Heilpraktikern zur Vorbeugung empfohlen.“ (Hirsch&Grünberger, S. 419)

 

Nelkenwurz-Wein

¼ kg Wurzeln werden mit 1 Liter gutem Weißwein angesetzt, 10 Tage bei Zimmertemperatur stehen gelassen und dann abgeseiht. Bei Bedarf 1 Likörglas trinken.

 

Literatur

Paracelsus: Sämtliche Werke. Anger: Verlag Eick; 1993, Bd. I, II, III
Hirsch Siegrid, Grünberber Felix: Die Kräuter in meinem Garten. Weltbild: Augsburg; 2008

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