Die antike Vier – Elementen – Lehre und ihre Bedeutung in der Kräuterheilkunde

Tabelle 3: Pflanzen mit Luftcharakter

NameQualitätKommentar
Bittersüß,
Solanum dulcamara
feucht 2
warm 1

Blätter, Stengel; Geschmack abwechselnd bitter und süß; Infekte, Allergien, Rheuma
Brennnessel,
Urtica dioica
feucht 3
warm 1
Blätter, Samen; kühl, etwas bitter, Universalmittel bei Allergien, Hautleiden und Rheuma
Brunnenkresse,
Nasturtium officinale
feucht 3
warm 1
Blätter, senfig, schwefelig; bei Dysbiose; als Diät wesentlich feuriger
Kapuzinerkresse,
Trapaeolum majus
feucht 1
warm 2
Blätter; senfig; Antibiotikum
Löwenzahn
Taraxacum officinale
feucht
warm 2
Wurzel, Kraut; auch etwas Feuer; Anregung der Verdauungsdrüsen
Meisterwurz
Imperatoria osthrutium
feucht 1
warm 3
Wurzel; scharf, daher nicht bei akuten Entzündungen
Mistel,
Viscum album
feucht 3
warm 1
ganze Pflanze; chronische Leiden; Krebs; Hypertonie
Sarsaparilla,
Smilax sarsaparilla
feucht 2
warm 1
Wurzel; leicht bitter, sauer; chronische Hautleiden
Schöllkraut,
Chelidonium majus
feucht 2
warm 2
Kraut, Wurzel; scharf, leicht bitter; galletreibend
Steinklee,
Melilotus officinalis
feucht 2
warm 1
Blüten; Venenleiden; potenziert bei nervösem Kopfschmerz

 

Bild a: Mistletoe

Bild a: Mit ihren eigenwilligen botanischen Merkmalen, ihrer schleimigen Konsistenz und ihrer immunstimulierenden Wirkung, zählt die Mistel zu den Pflanzen des Elements Luft. (Foto: Olaf Rippe.)

 

Bild b: Horsetail

Bild b: Der hohe Mineralgehalt, die blütenlose und stark strukturierte Gestalt so wie der milde Geschmack, deuten im Schachtelhalm (hier Equisetum hyemale) auf das Element Erde. (Foto: Olaf Rippe.)

 

Tabelle 4: Pflanzen mit Erdcharakter

NameQualitätKommentar
Baldrian,
Valeriana officinalis
kalt 1
trocken 2
Wurzel; kühlend mit etwas Bitterkeit; Sedativum
Beinwell,
Symphytum officinale
kalt 2
trocken 1
Knochen- und Hautmittel
Ehrenpreis,
Veronica officinalis
kalt 1
trocken 1
Kraut; erdig, leicht süß; erklärt Wirkung bei Entzündungen und Colitis
Eiche,
Quercus robus
trocken 3
kalt 1
Rinde; zusammenziehend, entzündungswidrig
Himbeere,
Rubus idaeus
kalt 1
trocken 1
Blätter, leicht zusammenziehend; ähnlich wirkt Brombeere
Isländisch Moos,
Lichen islandica
kalt 2
trocken 1
Flechte; Geriatrikum; Lungenleiden, kühlend
Ringelblume,
Calandula officinalis
trocken 2
kalt 1
Blüten; mildes Feuer; leicht bitter und scharf, kühlend; Universalmittel
Schachtelhalm,
Equisetum arvense
kalt 2
trocken 1
Kraut; allg. entzündungswidrig
Süßholz,
Glyzyrrhiza glabra
kalt 2
trocken 1
Wurzel; süß; allg. entzündungswidrig
Wegerich, Breit-, Spitz-,
Plantago major, P. lanceolata
kalt 1
trocken 2
Blätter; leicht süß, salzig, etwas bitter;
austrocknend und kühlend

 

Die Elementenlehre als therapeutisches Modell

„Bald sich durch Liebe alles vereinigt zu Einem, bald auch werden wieder die einzelnen Stoffe auseinandergetragen im Hasse des Streites“

Empedokles v. Agrigent

Durch die jeweilige Qualität der Elemente ergeben sich Polaritäten (Antipathie) wie Gemeinsamkeiten (Sympathie). Grundsätzlich wirken immer alle Elemente zusammen, jedoch in unterschiedlicher Intensität.

 

 

 

Das Kräftespiel der Elemente

1. Antipathie = Kontrolle und Hemmung (Kreuz)

Wegen ihrer primären Qualitäten bilden Feuer (warm) und Wasser (kalt) sowie Erde (trocken) und Luft (feucht) polare Gegensätze. Daraus ergibt sich das Gesetz der gegenseitigen Kontrolle und Hemmung.

Krankheiten resultieren aus dem Übermaß eines Elements und der mangelnden Kontrolle durch den Gegenpol. Nimmt beispielsweise das Element Feuer im Menschen überhand, dann muss die Therapie eine Erhöhung von Wasser zum Ziel haben.

Die Therapie mittels gegensätzlicher Elemente heißt „Antipathisches Heilen“. Es führt zu einem Ausgleich der Elemente nach dem Prinzip einer Waage (Regulationstherapie).

Die Therapie erfolgt durch Energetisierung des schwächeren Elements sowie durch eine eventuelle Ableitung des stärkeren.

Beispiel Hypertonie = Überwiegen von Feuer: Ableitung von Feuer durch Aderlass, gleichzeitig Gabe von Mitteln der Elemente Wasser und Erde, die den Patienten vor allem kühlen, anfeuchten und beruhigen sollen, z. B. Baldrian, Mädesüß, Mistel, Passionsblume.

Geben wir stattdessen Mittel des Elements Feuer, würde sich der Prozess verschlimmern, desgleichen bei Gabe von Luftmitteln, die ebenfalls warm sind.

Mittel des Elements Luft kämen aber in Frage, wenn sie deutlich feuchter als warm sind wie die Mistel (Verbindung zu Wasser = feucht, als Gegenpol zu Feuer).

Wenn wir antipathisch arbeiten, muss ein großer Reiz mit einer großen Wirkung erfolgen – liegt ein Übermaß von Feuer vor, braucht es soviel Wasser, dass es Feuer löschen kann. Dies ist der Grund, warum diese Methode auf große Dosen und häufige Gaben nicht verzichten kann.

Dabei ist zu beachten, dass Feuer das aktivste Element darstellt, danach Luft, dann Wasser und zum Schluss Erde, als das passivste. Daher braucht es von Feuer oder Luft immer geringere Mengen, als von Erde und Wasser.

Anders gesagt: Heilmittel von Luft und Feuer führen in größeren Mengen schneller zu Unverträglichkeiten oder wirken toxisch.

Antipathische Therapie am Beispiel Psoriasis – Neurodermitis

  1. Chronische trockene Hauterkrankungen wie Psoriasis sind ein Überwiegen von Erde, d.h. sie sind kalt und trocken. Wir brauchen in erster Linie Mittel des Elements Luft (warm-feucht), also senfig/sauer schmeckende Pflanzen oder solche von schlanker Gestalt, mit schmalen/gefiederten Blättern und mit hohlem Stengel, eventuell mit Milchsaft, allgemein sollten die Pflanzen saftig sein; aus der Systematik eignen sich besonders Doldenblütler, da sie in ihrer Gestalt sehr luftig sind. Ferner eignen sich einige Mittel des Elements Feuer, sofern sie nicht zu trocken sind.Von Luft braucht es größere Mengen (Polarität), von Feuer geringere (Verwandtschaft zu Erde = Trockenheit; siehe auch Kapitel Sympathie).Beispiele: Luft – Brennnessel, Brunnenkresse, Erdrauch, Löwenzahn, Meisterwurz, Mistel, Sarsaparilla, Schöllkraut. Feuer: Berberitze,Engelwurz, Mahonie; die Feuermittel in geringer Dosierung oder in Tiefpotenzen.

 

  1. Hauterkrankungen wie Neurodermitis zeigen Symptome des Elements Luft (Nervösität, Juckreiz, nässend), aber auch des Feuers (rot und entzündlich). Die Krankheit kann man in ihrer Gesamtheit als warm bezeichnen.Als Heilmittel nach den Regeln der Antipathie eignen sich in erster Linie Mittel des Elements Wasser, zum Teil auch mit Übergang zum Element Luft (Feuchtigkeit sollte betont sein) sowie in Kombination Mittel des Elements Erde (Kälte sollte betont sein).Beispiele: Wasser – Betonie, Birke, Bittersüß (auch etwas Luft), Brennnessel (auch etwas Luft), Klebkraut, Rose, Stiefmütterchen, Weide. Erde -Himbeer- und Brombeerblätter, Eiche (auch etwas Feuer), Ehrenpreis, Ringelblume, Schachtelhalm, Wegerich (auch etwas Wasser).

 

2. Sympathie = Gegenseitige Erhaltung (Kreis im Uhrzeigersinn)

Die sympathische Beziehung der Elemente ergibt sich aus ihren jeweiligen Gemeinsamkeiten: Erde – Wasser (Schwer / Passiv = Kalt, Chronisch) im Gegensatz zu Feuer – Luft (Leicht / Aktiv = Warm, Akut); Wasser – Luft (Feuchtigkeit) im Gegensatz zu Feuer – Erde (Trockenheit).

Eine Therapie nach den Regeln der Sympathie erfolgt in erster Linie durch Anwendung von Mitteln, die über ihre Qualitäten einen Ähnlichkeitsbezug zur Krankheit aufweisen. Als Dosis sind in solchen Fällen nur geringe Mengen notwendig.

Beispiel: Behandlung einer Hypertonie (Feuer) mit Mistel (Luft) in geringer Dosierung. Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung von Homöopathika. Mittel mit Wassercharakter heilen in potenzierter Form beispielsweise Zustände von zu viel Wasser; das Mittel nimmt also in potenzierter Form eine gegensätzliche Qualität an.

Beispiel: Die Teichrose (Nuphar luteum), die wir dem Element Wasser zuordnen, wirkt als Tinktur dämpfend auf die Libido (verstärkt Kälte/Wasser), in potenzierter Form ist sie dagegen sexuell stimulierend (verstärkt Wärme).

Diese Therapie wird durch den homöopathischen Umkehreffekt möglich, der in der Regel ab D4/6 eintritt. Ähnliches gilt für spagirische Zubereitungen, die in ihrer Qualität mit Homöopathika vergleichbar sind; daher erklärt sich, warum von Spagirika meist kleinste Mengen ausreichen.

Bei der Therapie nach den Regeln der Sympathie sollte man auf folgende Punkte achten:

  1. Das Mittel entspricht in ausgeprägter Form der Elementenzuordnung der Krankheit – es wird potenziert verabreicht.Beispiel 1: Behandlung eines Cholerikers (Feuer) mit Strychnos nix vomica (Brechnuß), einem extrem warmen und etwas trockenen Mittel (Bitter, Früchte) in höheren Potenzen.Beispiel 2: Wir behandeln eine Arthrose mit entzündlichen Schüben = Übermaß an Erde und Tendenz zu Feuer. Wir verwenden Wurzeln (=Erde), die aber feurige Qualitäten in sich tragen, z. B. bitterer Geschmack, Stachelsignatur der Gesamtpflanze, Wurzel gelb; diese Kriterien erfüllt z. B. die Berberitze. Die Dosis braucht nicht besonders groß zu sein, es reichen wenige Tropfen täglich oder die D4 (sympathische Beziehung von Feuer zu Erde über trocken).

 

  1. Wir ergänzen das Rezept durch das ähnlichere Element: Erde / Wasser, Feuer / Luft.Beispiel Arthrose (Erde): Wassermittel in größeren Dosen wie Birke, Weide oder Mädesüß ergänzen das Rezept, da das Element Wasser der Erde am nächsten steht.

 

  1. Verknüpfen wir die sympathische mit der antipathischen Methode, dann mischen wir dem Rezept einer Arthrose (Erde) noch Luftmittel in großen Dosen zur Regulation bei, beispielsweise Brennnessel. Die gleichzeitige Verwendung antipathischer Mittel reduziert die Gefahr der Erstverschlimmerung einer homöopathischen Therapie, mindert aber in keiner Weise die Wirkung potenzierter Präparate. Zusammen ergeben die drei Punkte eine Therapie, bei der man alle Elemente in unterschiedlicher Intensität verwendet. Sie ist damit komplexer als die antipathische Methode, aber auch wirkungsvoller und zudem eleganter.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis.

 

Literatur

Arroyo Stephen: Astrologie, Psychologie und die vier Elemente, Hamburg 1989
Boehme, Gernot/Boehme, Hartmut: Feuer, Wasser, Erde, Luft, München 1996
Daems, Willem F.: Mensch und Pflanze, Schwäbisch Gmünd 1988
Junius, Manfred M.: Praktisches Handbuch der Pflanzen-Alchimie, Interlaken 1982
Kranich, Ernst M.: Die Formensprache der Pflanze,  Stuttgart 1976
Madejsky, Margret/Rippe, Olaf: Heilmittel der Sonne, München 1997
Mueller, Ingo W.: Humoralmedizin, Heidelberg 1993
Nettestem, Agrippa von: Die magischen Werke, Wiesbaden 1983
Paracelsus: Sämtliche Werke, Ascher Edition; Anger 1993

 

Kontakt

Barerstr. 48
D-80799 München
Tel: 0049-89- 27225902
www.nata-natrans.de
www.olaf-rippe.de
info@olaf-rippe.de