Lateinisch:     Tropaeolum majus
Volksname:   Salatblume, peruanische Feuerblume
Familie:         Tropaeolaceae / Kapuzinerkressegewächs

Foto 1: Kapuzinerkresse_farbig / Erika Rötlisberger

 

Seit 1990 wird jährlich die „Heilpflanze des Jahres“ ausgerufen, erst durch den Verband der Heilkräuterfreunde Deutschlands, dann durch den Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Paracelsus (www.nhv-theophrastus.de). Seit 1999 wird auch jährlich „die Arzneipflanze des Jahres“ durch den interdisziplinären Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg festgelegt.  www.nhv-theophrastus.de

Viele kennen die feurig goldgelb, orange oder dunkelrot leuchtenden Blüten als Salatgarnitur.

Die Kapuzinerkresse ist weltweit als Kultur- und Zierpflanze bekannt. Die ursprüngliche Heimat ist Mittel- und Südamerika. Die Inkas nutzten sie als Garten- und Heilpflanze, vor allem als Schmerz- und Wundheilmittel. Im 16. Jh. brachten spanische Eroberer diese blutrote Blume aus Peru nach Mitteleuropa. Bei den Seefahrern galten die Samen als wirksames Mittel gegen den gefürchteten Skorbut (Schwerste Form eines Vitamin C-Mangels, der entsteht, wenn dem Körper über einige Monate kaum oder gar kein Vitamin C zugeführt wird.) www.uni-wuerzburg.de.

2013 war die Kapuzinerkresse die Arzneipflanze des Jahres.

In Europa wurde die Pflanze vorerst in Klostergärten als Zierpflanze gezogen. Erst im 18. Jh. kam die Verwendung im medizinischen und kulinarischen Bereich. Heute finden wir sie in Gärten, in Töpfen auf dem Balkon, auch an Mauern und Hausfassaden. In ihrer frostfreien heimatlichen Tropenregion ist sie ausdauernd, klimatisch bedingt ist sie in Mitteleuropa nicht winterhart.

Foto 2: Kapuzinerkresse_Blatt / Erika Rötlisberger

 

Aus dem glatten Stängel gehen Blatt- und Blütenstiele hervor. Mit Hilfe ihrer langen, sich windenden Blattstiele können sie klettern und werden bis ca. 5 m lang. Die Blätter haben die Form eines Schildes. Der Blattstiel sitzt in der Mitte des runden Blattes.

Der Name Tropaeolum kommt von griech. Tropaion (Wende, Flucht) = Zeichen der siegreichen Krieger. Zu den Kressegewächsen wurde sie gezählt, weil ihr scharfer Geruch und Geschmack der europäischen Brunnenkresse ähnelt. Die glockenförmige Blüte mit ihrem spitz auslaufenden Sporn ist der Kopfbedeckung (Kapuze mit spitz auslaufendem Zipfel) der Kapuzinermönche ähnlich.

Foto 3: Kapuzinerkresse_Blüte /Erika Rötlisberger

 

Anbau

Ab Ende Februar säht man die Samen der Kapuzinerkresse aus und hält sie bei Zimmertemperatur. Die Jungpflanzen dürfen erst nach den „Eisheiligen“ Mitte Mai ins Freie oder in Töpfe auf den Balkon versetzt werden. Tropaeolum hat keine besonderen Ansprüche an den Boden, benötigt aber reichlich Wasser. Im Halbschatten gedeiht sie genau so wie an der prallen Sonne.

 

Verwendete Pflanzenteile und Ernte

Die oberirdischen Teile, die Blüten, Blätter, Stängel und Knospen, sind essbar. Den scharf-pikanten Geschmack hat die Kapuzinerkresse vom großen Anteil an Senfölglykosiden, wie auch Kresse, Kohl, Meerrettich und Rettich. Die Senfglykoside wirken für die Pflanze selbst als Abwehrstoff gegen Tierfraß.

Geerntet wird von Mai bis Oktober. Getrocknet verliert die Pflanze ihre Kräfte, weil die sehr schwefelreichen Wirkstoffe flüchtig sind. Deshalb verarbeitet man die Kapuzinerkresse ausschließlich frisch.

 

Zu den heilenden Inhaltsstoffen gehören

Senfölglykoside (z. B. aus Glycotropaeolin gewonnenes ätherisches Kresseöl mit dem Hauptbestandteil Benzylsenföl) hemmen Bakterien in ihrem Wachstum, sie enthält etwa genauso viel Vitamin C wie z. B. Sanddornfrüche, Flavonoide, Mineralien wie Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor. Auf Schwefel weisen die Blütenfarben und der starke Geruch der Pflanze hin. So wie Schwefel beim Erhitzen je nach Temperatur in den Farben blassgelb bis dunkelrot erscheint, sind auch die Farben der Blüten.

Dr. Markus Sommer erklärt: „Die wirksamen Schwefelsubstanzen werden schon in unseren obersten Darmabschnitten aufgenommen und stören daher unsere Darmflora nicht. Sie verlassen unseren Körper, indem sie über die Lunge abgeatmet werden (weshalb Kapuzinerkresse bei Atemwegsinfektionen eingesetzt werden kann), aber auch über den Urin, weshalb sie zum Beispiel gegen eine Blasenentzündung zu helfen vermag. Erkältungen sind häufig die Ursache sowohl von Infekten der Luft- wie der Harnwege, und so mag es einem weiteren Grund geben, die aus den warmen Tropen stammende, von wärmenden Schwefelkräften durchzogene Pflanze gerade hier einzusetzen.

Als nach dem zweiten Weltkrieg die Antibiotika ihren Siegeszug antraten, musste man nach der anfänglichen Begeisterung feststellen, dass viele Bakterien rasch gegen diese ursprünglich als Wundermittel gefeierten Arzneistoffe unempfindlich wurden. Bei der Suche nach neuen Antibiotikaquellen stieß man auch auf die Kapuzinerkresse und stellte fest, dass Extrakte aus ihr nicht nur gegen sehr viele Bakterien wirksam waren, die bei Infektionen eine Rolle spielen (sogar Erreger der Tuberkulose sollen gegen Kapuzinerkressewirkstoffe empfindlich sein), sondern auch gegen Candida-Pilze, die sich oft nach einer Antibiotika-Behandlung auf den Schleimhäuten ausbreiten. Zudem wurde eine Wirksamkeit gegen Viren (zum Beispiel Grippe-Viren) festgestellt. In mehreren Doktorarbeiten, die in den letzten Jahren über die Pflanze geschrieben wurden, findet sich die Aussage, dass bisher keine Resistenzen bekannt geworden seien, die Bakterien also nicht unempfindlich geworden sind.“ 1

Studien belegen die antibiotische Wirksamkeit. 2, 3

Senfölglykoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel werden kombiniert als Phytotherapeutikum (Angocin Anti-Infekt N) zur Behandlung und Prophylaxe der Atemwegs- und Harnwegsinfektion eingesetzt, siehe auch angocin.de.

Weil sie mit dem hohen Anteil an Vitamin C auch das Immunsystem stärkt, ist die Kapuzinerkresse eine hervorragende Heilpflanze gegen Erkältungen. Sie kann dazu beitragen, dass sich beginnende Halsschmerzen, Infektion der Luftwege, Blasenreizung gar nicht erst entfalten, indem man ab dem ersten Feststellen zarte junge Blätter kaut, Frischpflanzen-Presssaft oder Tinktur einnimmt. Jedoch gilt vorsichtige Dosierung bei Magen-Darm-Empfindlichkeit.

Aufgrund der antibiotischen Eigenschaften der Senfölglykoside hilft Kapuzinerkresse auch gegen Hals- und Rachenentzündungen.

 

Nebenwirkungen

Bei empfindlichen Menschen kann ein Übermaß von Kapuzinerkresse zu einer Reizung der Magen-Darmschleimhaut und der Nieren führen. Es empfiehlt sich eine Kur auf 3 Wochen zu beschränken und die Einnahme erst nach den Mahlzeiten zu setzen, zudem während der Therapie Alkohol zu meiden, da die Alkoholtoleranz durch das Benzylsenföl verringert wird.

 

Keine Anwendung

bei Magen-Darm-Geschwüren, Nierenerkrankungen; bei Säuglingen und Kindern unter 4 Jahren.

 

Kulinarisch

werden die Blüten, Knospen und die jungen Blätter frisch und roh verwendet. Sie eignen sich nicht zum Kochen oder Einfrieren. Ältere Blätter sind zäh und bitter. Mit kleingeschnittenen mineralstoffreichen jungen Blättern können Eier- und Kartoffelgerichte, Kräuterbutter, Quark, Frischkäse, Butterbrot pikant gewürzt werden. Als Garnitur auf dem Salat sind die Blüten zudem auch eine Augenweide. Die Blütenknospen können in Salz und Essig eingelegt werden und ähnlich wie Kapern verwendet werden. Mit ihrer pikanten Schärfe regt die Kapuzinerkresse auch die Verdauung an, wodurch sie hilft, dass fette Speisen bekömmlicher werden.

 

Frischpflanzen-Press-Saft 4

Der Presssaft aus Blättern (1 – 2 mal täglich 1 Teelöffel voll in Wasser eingenommen) wird empfohlen bei: Bronchitis, Emphysem, zur Förderung der Abwehrkräfte, Grippe, Erkältung, Katarrh, bei Nieren- und Blasenentzündungen, Harnwegsentzündungen, Mandelentzündung, Ohrenentzündung und zur Kräftigung für ältere Leute.

 

Tinktur

Tinktur, hergestellt aus grünen Kapuzinerkresseblättern, dient der selben Heilanzeige. Man nimmt ein Marmeladenglas, füllt es zu 2/3 mit feingeschnittenen Kapuzinerkresseblättern, füllt das Glas mit ca. 40%igem Doppelkorn oder Wodka auf, lässt es bei gleichbleibender Temperatur, am besten in Nähe des Kochherdes stehen. Während 3 Wochen täglich schütteln, dann über Kaffeefilterpapier abgiessen. Vorbeugend oder ganz zu Beginn einer Erkältung 3 x täglich 15 Tropfen nach dem Essen einnehmen. Magenverträglichkeit beachten.

 

Frischpflanzentinktur

Frischpflanzentinktur ist auch in der Apotheke erhältlich. Dort ist auch die Urtinktur Tropaeolum majus von Ceres erhältlich. Diese werden in niedriger Dosierung von 3 x 3 – 5 Tropfen täglich eingenommen.

 

Kapuzinerkresse-Essig5

1 Handvoll Blüten locker in ein Glasgefäss füllen und bis an den Rand mit Essig übergießen. Nach 1 Woche ist daraus ein zartpikanter Würzessig geworden, der gleichzeitig Medizin ist:

 

Gesichtsdampfbad gegen Akne6

1 Handvoll klein geschnittene, blühende Kapuzinerkresse mit 1 lt. kochendem Wasser überbrühen; das Gesicht über den dampfenden Topf beugen, der Kopf sollte sich dabei unter einem zeltartig ausgebreiteten Handtuch befinden. Nach 10 Minuten das Gesicht behutsam trocken tupfen. Das Dampfbad desinfiziert und reinigt unreine, entzündete Haut.

 

Aknesalbe7

Rühren Sie in 50 g Ihrer eigenen, nicht zu fetten Gesichtscreme 5 – 10 ml Kapuzinerkresse-Frischpflanzensaft hinein. 1 Handvoll Kraut (alle oberirdischen Teile) anquetschen und den Saft durch ein Tuch pressen. Das desinfiziert und beruhigt die Haut.

Tropaeolum ist u.a. in anthroposophischen Arzneimitteln (Wala) zur Reinigung der Haut bei Akne enthalten.

 

Wichtig: Die aufgeführten Anwendungsmöglichkeiten ersetzen keine fachkundliche Beratung beim Arzt und Therapeuten.

 

Literatur, Studien

1 Dr. Sommer, Markus: Heilpflanzen, ihr Wesen, ihre Wirkung, ihre Anwendung, Aethera 2011, page 206
2 https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Phytomedizin-Traditionelles-Wissen-modern-genutzt
ttp://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/studie-der-uni-freiburg-liefert-weitere-hinweise-auf-entzuendungshemmende-wirkung-der-senfoele/
Vonarburg, Bruno: Natürlich gesund mit Heilpflanzen, AT 2001, page 119
5 Bühring, Ursel: Alles über Heilpflanzen, Ulmer 2007, p. 159
6 Bühring, Ursel: Alles über Heilpflanzen, Ulmer 2007, p. 149
7 Bühring, Ursel: Alles über Heilpflanzen, Ulmer 2007, p. 159