Die Kunst des Heilens

§ 243

Bei denjenigen, oft sehr bösartigen Wechselfiebern, die, außer in den Sumpfgegenden, eine einzelne Person befallen, muß zwar anfangs ebenfalls, wie bei den acuten Krankheiten überhaupt, denen sie in Rücksicht ihres psorischen Ursprungs ähneln, zuerst ein aus der Classe der übrigen, geprüften (nicht antipsorischen) Arzneien, homöopathisch für den speciellen Fall gewähltes Heilmittel, einige Tage über angewendet werden zur möglichsten Hülfe; wenn aber hiebei die Genesung dennoch zögert, so muß man wissen, daß man es mit der ihrer Entwickelung nahen Psora zu thun habe und daß hier bloß antipsorische Arznei gründliche Hülfe schaffen kann.

 

§ 244 – Sechste Auflage

Die in Sumpf-Gegenden und solchen, die den Überschwemmungen oft ausgesetzt sind, einheimischen Wechselfieber, machten der bisherigen Arztwelt viel zu schaffen und doch kann auch an Sumpf-Gegenden, ein gesunder Mensch in jungen Jahren sich gewöhnen und gesund bleiben, wenn er eine fehlerfreie Lebensordnung führt und nicht von Mangel, Strapazen oder zerstörenden Leidenschaften niedergedrückt wird. Die, dort endemischen Wechselfieber werden ihn höchstens nur als Ankömmling ergreifen, aber eine oder zwei der kleinsten Gaben hoch potenzirter Chinarinden-Auflösung, werden ihn bei einer, wie gesagt geordneten Lebensweise, bald davon befreien. Bei Personen aber, die bei gehöriger Leibes-Bewegung und gesunder Geistes- und Körper-Diät, vom Sumpf-Wechselfieber nicht durch eine oder ein Paar solcher kleinen Gaben China-Arznei befreiet werden können – liegt stets eine zur Entwickelung aufstrebende Psora zum Grunde und ihr Wechselfieber kann in der Sumpf-Gegend ohne antipsorische Behandlung nicht geheilt werden 1).

Zuweilen erfolgt bei diesen Kranken, wenn sie ohne Verzug die Sumpf-Gegend mit einer trocknen, bergigen vertauschen, anscheinend wieder Genesung, das Fieber verläßt sie, wenn sie noch nicht tief in Krankheit versunken sind, d.i. wenn die Psora noch nicht völlig bei ihnen entwickelt war und daher wieder in ihren latenten Zustand zurückkehren kennte; aber gesund werden sie ohne antipsorische Hülfe doch nie.

1Dann ist es leicht, die epidemischen Fieber, die jene befallen, die nicht an sumpfigen Orten leben, zu heilen, indem man die gleichen Medikamente gibt, die schon früher gegeben wurden, basierend auf der Symptom-Gesamtheit, die durch eine gewisse Anzahl betroffener Personen erhalten wurde. Wenn durch solche Mittel keine Heilung zu erreichen ist, so wird damit angezeigt, dass diese Patienten an einer entwickelten Psora leiden.

Wiederholt auftretende Fieber, die in niedrig gelegenen oder überschwemmten Gebieten auftreten, haben der Allopathie viel Arbeit gegeben, auch dann, wenn der Patient in solchen Gebieten nicht an Psora erkrankt ist und wie ein starker, gesunder Mensch lebt, der nicht betroffen ist. Solche Menschen müssen ein ausgeglichenes Leben mit gesunden Gewohnheiten führen. Sie müssen ein reguliertes Leben führen. Sie können nur dann ihre Gesundheit erhalten, wenn sie nicht den krank machenden Auswirkungen von Armut, exzessiven Anstrengungen, heftigem Ärger oder starkem Sexgenuss ausgeliefert sind. Wenn ein solcher Mensch von solchen Fiebererkrankungen angegriffen wird, dann geschieht das nur einmal, wenn er an solche Orte zum ersten Mal geht. Wenn eine oder zwei Dosen China in hohen Potenzen gegeben werden, kann die Krankheit geheilt werden. Danach kann er seine Lebensgewohnheiten regulieren und immun werden. Psorische Personen können trotz guter physischer Übungen und einer regulierten mentalen Disposition nicht gesund werden. Wenn solche Menschen sich in ein sumpfiges Gebiet begeben, ist es notwendig, sich einer Behandlung mit starken anti-psorischen Mitteln zu unterziehen. Für diese Menschen ist es ist ratsam, eine solche Örtlichkeit zu verlassen, bevor sich Psora weiter ausbreitet. Auch wenn Psora nicht geheilt wird, werden die Anfälle abgegrenzt und die Krankheit bleibt latent erhalten. Wenn der Patient nicht mit anti-psorischen Mitteln behandelt wird, kann er nicht in guter Gesundheit leben.

§ 245 – Sechste Auflage

Nachdem wir nun gesehen haben, welche Rücksicht man bei der homöopathischen Heilung auf die Hauptverschiedenheiten der Krankheiten und auf die besondern Umstände in denselben zu nehmen hat, so gehen wir zu dem über, was von den Heilmitteln und ihrer Gebrauchsart, so wie von der dabei zu beobachtenden Lebensordnung zu sagen ist.

Die homöopathische Behandlungsmethode für verschiedene Krankheiten und die besonderen Umstände, die mit jeder von ihnen verbunden sind, wurden nun so weit erlernt. Jetzt sollten die Methode der Anwendung der heilenden Mittel und die Anwendungsregeln usw. bekannt sein.

Original in Telugu von Dr. E. Krishnamacharya
Übersetzung  von Dr. E. Krishnamacharya
Photo von Elena Prokofyeva https://unsplash.com/@leni_eleni