Heilrezepte

(lat. Hypericum perforatum L.)

Das Johanniskraut hat seinen Namen davon, dass seine Blütezeit „zu Johanni“, zur Zeit des Johannistages (24. Juni) und der Sommersonnenwende beginnt. Der botanische Name Hypericum wurde der Pflanze von den Griechen gegeben, die diese Pflanze den Büsten ihrer Götter um den Kopf wanden, daher „hyper Ikon“. Seine leuchtend goldgelben Blüten machen es zu einer der schönsten Blumen unserer Fauna.

Die Inhaltsstoffe von Johanniskraut sind: ätherische Öle, Flavonoide, Tannine, Hypericin, Chlorogen- und Kaffeesäure. Gesammelt wird die ganze Pflanze zur Blütezeit.

In der Volksheilkunde wird das Johanniskraut als Wundheilkraut und Nervenmittel verwendet. Es hat schmerzstillende, entzündungshemmende, zusammenziehende, krampflösende und verdauungsfördernde Wirkung. Besonders das Johannisöl ist in der Heilkunde besonders berühmt.

Herstellung von Johanniskrautöl:

Die offenen und halboffenen Blüten und Blätter vom Johanniskraut werden vorsichtig abgezupft, in ein Glas mit weitem Hals gegeben und mit einem hochwertigen kalt gepressten Olivenöl übergossen. Danach wird das Glas unverschlossen (nur mit einer Kompresse bedeckt) an die Sonne gestellt, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Anschließend wird das Glas gut verschlossen und für weitere 5 – 6 Wochen an die Sonne gestellt bis das Öl eine leuchtend rote Farbe angenommen hat. Das Glas wird während dieser Zeit regelmäßig geschüttelt. Nun wird das Öl vorsichtig durch einen Teefilter oder ein Stoffsieb abgeseiht und in einem dunklen Glas aufbewahrt. „Dieses Öl ist das beste und wirksamste Heilmittel gegen Verbrennungen durch Feuer, Verbrühen, ätzende Gifte (selbst innerlich), Fettspritzer ins Auge, bei Wunden, Schürfungen und Insektenstichen“, schreibt Pfarrer Künzle.

Paracelsus schreibt: „Gott hat im Johanniskraut einen besonderen Willen und ein besonderes Arcanum für den Menschen geschaffen, egal ob dieser Mensch gut oder böse ist. Wie die Sonne alle Dinge, die guten und die schlechten, bescheint, so tut es auch die Arznei.“ (Bd. III, S. 629) Das Johanniskraut ist ein besonderes Kraut, denn es herrscht über die anderen. Die Kraft, die Gott in die Perforata gelegt hat, ist die Kraft, die Geister und Würmer austreibt, Wunden, Beinbrüche und Quetschungen heilt.

Die Signatur des Johanniskrauts zeigt sich in der Durchlöcherung der Blätter, in der Form der Blätter und Blüten, in den Ästen und auch in den Adern der Blätter. Die Löcher in den Blättern deuten darauf hin, dass dieses Kraut für alle inneren und äußeren Öffnungen der Haut eine Hilfe ist. Was durch die Poren ausgetrieben werden soll, kann durch Johanniskraut bewirkt werden. Die Blüten faulen in der Form des Blutes. Das ist ein Zeichen, dass sie für Wunden und was von Wunden kommt gut ist. (Bd.III, S. 630ff)

Die Adern auf den Blättern sind ein Zeichen, dass Johanniskraut alle Phantasiegebilde im Menschen und auch außerhalb austreibt. Denn die Phantasiegebilde rufen Erscheinungen (spectra) hervor, so dass der Mensch Geister und Gespenster sieht und Phantasien hört. Es sind die Krankheiten, die die Leute zwingen, sich selbst zu töten. Sie kommen von Sinnen, fallen in Tobsucht, Aberwitz und dergleichen. Gegen diese Krankheit sind nicht viele Arzneien von Gott bestimmt, sagt Paracelsus und ihm seien dafür nur Johanniskraut und Korallen bekannt. Nur in diesen Arzneien liegt die Stärke und Kraft gegen diese Krankheit. Wenn Johanniskraut gegen Phantasie gegeben wird, soll es ohne allen Zusatz gegeben werden, denn es ist eine Arznei, die Gott selbst zusammengesetzt hat und die vollkommen ist.

Das Johanniskraut gilt in der Magie nicht nur als Wetterkraut und schützt daher vor Blitzschlag, sondern es widersteht auch allen schädlichen Einflüssen und negativen Energien. Die Wirkung des Krautes ist dann am besten, wenn möglichst viele Blüten vorhanden sind, die Pflanze um den 24. Juni (Johannistag) und zur Mittagszeit, bei Sonnenhöchststand gepflückt wird. Das Johanniskraut ist dann mit der höchstmöglichen Sonnen- und Lichtenergie versorgt.

Paracelsus brauchte das Johanniskraut nicht nur innerlich, sondern machte damit auch Amulette, die hauptsächlich gegen dämonische Einflüsse wirkten. Er sagte: „Dieses Kraut soll immer unter dem Barettlein (flache Kopfbedeckung), am Busen als Kranz oder sonst in den Händen getragen werden, man soll oft daran riechen, man soll es zur Nacht unter das Kissen tun, das Haus damit umstecken oder es an die Wände hängen.“ Als Amulett am Hals getragen, soll es Liebe und Gunst erwecken. Der Arzt soll wissen, dass Gott ein großes Arcanum in das Kraut gelegt hat. Denn Johanniskraut ist eine Universalmedizin für den ganzen Menschen. (Bd. III, S. 632f)

Heute ist wissenschaftlich bewiesen, dass Johanniskraut ein ausgezeichnetes Nervenmittel ist. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen, bei Angst und nervöser Unruhe und psychovegetativen Störungen hat es sehr gute Heilwirkungen. Wichtig ist zu wissen, dass es hoch genug dosiert werden muss und dass die Wirkung langsam eintritt, d.h. nicht vor acht Tagen, wobei mit voller Entfaltung der Wirksamkeit oft erst innerhalb von vier bis sechs Wochen gerechnet werden kann. Dafür hat man eine gute Langzeitwirkung ohne Nebenwirkungen. Es kann täglich morgens und abends 1 bis 2 Tassen Tee getrunken werden oder 3mal täglich 5 Tropfen Johannisextrakt, gesteigert bis auf 5 -10 Tropfen, 3 Wochen lang.

Innerlich kann das Johanniskrautöl teelöffelweise beim funktionellen Reizmagen und zur Förderung der Heilung von Magengeschwüren gegeben werden. Dies sind nur einige der vielen Anwendungsmöglichkeiten.

 Paracelsus: Sämtliche Werke. Anger: Verlag Eick; 1993, Bd. III
Pfarrer Künzli: Das Grosse Kräuterbuch. Walter Verlag Olten; 1945, 17. Auflage

 

Bilder

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