6 Zusammenfassung

Aufgrund kritischer Studien von Saper et al. über die Sicherheit ayurvedischer Medikamente, pflanzlicher Arzneimittel sowie auf Metall basierender Präparate (Saper R. e., 2008), (Saper R, e. 2004), (Ernst, 2002) wuchsen im Westen Widerstände, Unsicherheiten und Missverständnisse im Hinblick auf metallische therapeutische Produkte. Nach Veröffentlichung dieser Studien wurden strenge Kontrollen in Europa und USA in Bezug auf metallische Zusatzstoffe in ayurvedischen Medikamenten und Produkten eingeführt. Sämtliche Medikamente mit metallischen Inhalten oder metallische Nebenprodukte sind im Westen (Deutschland, Schweiz, Großbritannien, USA usw.) verboten. Es wird kein Unterschied gemacht zwischen Produkten, die mit giftigen Schwermetallen belastet sind, und Produkten, die nach den strengen Vorschriften der pharmazeutischen Herstellungsprozesse gemäß der Ayurvedischen Arzneimittelliste (Pharmacopoeia) hergestellt werden. Die Unsicherheit und „Furcht“ im Westen hinsichtlich der Rasa Shastra-Erzeugnisse ist groß – so groß, dass im Ausbildungsprogramm der Ayurvedischen Medizin das Fach „Rasa Shastra“ gestrichen wurde, obwohl nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Rasa Shastra ein offizieller Teil der Ausbildung in der Ayurvedischen Medizin ist. Gegenwärtig gibt es jedoch nicht genügend Studien an Menschen, die die Wirksamkeit und Sicherheit der Rasa-Präparate beweisen.

Diese kritischen Studien über ayurvedische Medikamente, die Schwermetalle enthalten und gesundheitliche Schäden verursachen, haben zu einer zunehmenden Ablehnung geführt. Viele Menschen im Westen wissen nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer Verunreinigung aufgrund von Schwermetallen oder Pestiziden und einem mit dem nötigen Bewusstsein hergestellten Medikament, das Metalle in Übereinstimmung mit den klassischen Regeln enthält. Ein mit Schwermetallen verunreinigtes Medikament ist schädlich. Entweder ist seine Herstellung unsachgemäß ausgeführt oder es enthält, bedingt durch Umwelteinflüsse, mit Schwermetallen belastete Nebenprodukte. Bereits die alten Gelehrten warnten vor solchen Medikamenten. Von Saper et al. wurde dies bestätigt. Berichte über diese Studien und die verborgenen Gefahren ayurvedischer Medikamente gingen rund um die Welt.

Die alten Rasa Shastra -Schriften, wie Rasaratna Samuchchaya, Rasa Hridaya Tantra, Ayurveda Prakasha usw. erwähnen, dass ein mangelhaft hergestelltes rasa-Medikament für den Körper giftig ist, während es „ohne Unreinheiten Nektar (amrita) ist“. Diese reinen Wirkstoffe haben einen tatsächlichen therapeutischen Effekt und können für viele ernsthafte chronische Krankheiten eingesetzt werden. Dabei gilt Quecksilber als das Meister- Element von Rasa Shastra, das hoch wirksam ist gegen Krankheit, Verfall und Tod (Ayurveda Prakasha, 1999). Es überrascht, dass Quecksilber nicht in Indien gefunden werden kann, aber offensichtlich haben die Inder seinen Nutzen in der Medizin erkannt und wenden Quecksilber größtmöglich für medizinische Zwecke an.

Ungereinigtes Quecksilber „besitzt viele Makel und verursacht zahlreiche Störungen im Körper. Deshalb sollte Parada (Quecksilber) verschiedenen samskaras (Arbeitsprozessen mit Quecksilber) unterzogen werden (R.R.S., 1998)[1]

Seit dem 8. Jahrhundert existiert Rasa Shastra als systematische Wissenschaft. Seitdem wurden viele pharmazeutische Prozesse auf dem Gebiet ayurvedischer Therapeutika eingeführt, wie z. B. shodhana, marana, murchana, patana usw. Die Umwandlung und Teilung von Metallen und Mineralien in so feine, leicht verdauliche und resorbierbare Zustände nahm in der Praxis zu, insbesondere in Bezug auf Quecksilber (Kumar S., 2003). Diese Wissenschaft wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Im Laufe der Zeit sammelte sich eine Menge an Erfahrung an, die Methoden wurden verfeinert und vervollständigt, und die Therapien wurden entsprechend angepasst.

Die acht Schritte der Reinigung von Quecksilber (astha samskaras von Parada) repräsentieren die langen, tiefgründigen und hoch spezialisierten Prozesse, die die große Anzahl an Unreinheiten oder die natürlichen Makel von Quecksilber beseitigen und ebenso positive, therapeutische und heilende Eigenschaften hervorrufen. Während der acht Reinigungsprozesse (samskaras) wird Quecksilber verschiedenen Prozessen, wie z. B. dem Kanji-Dampfbad (svedana), mehreren Arten der Trituration (mardana) und der Sublimation und Destillation (patana) ausgesetzt. Bei fast allen Prozessen wird frisch zubereitetes Kanji (fermentiertes Reiswasser) verwendet, und bei jedem Verfahren kommen pflanzliche Materialien, Mineralien und Metalle zum Einsatz. Nach Vervollständigung aller acht Prozesse ist das Quecksilber klar und „von allen Makeln befreit“ (R.R.S., 1998)[2]

Das Quecksilber ist jetzt rein und kann weiter zu einem wirksamen Arzneimittel verarbeitet werden. Entsprechend der Indikation kann es mit den jeweiligen Pflanzen, Mineralien, Metallen usw. kombiniert und somit selektiv in der Therapie angewendet werden.

Die inhärenten Qualitäten von rasausadhis (bio-mineralische Präparate) umfassen eine schnelles Umsetzen, kleinere Dosen, Geschmacklosigkeit, längere Haltbarkeit und bessere Verträglichkeit (R.S.S., 2003). Aufgrund dieser Vorteile und wegen ihrer zeitlich langen, starken und tiefen Wirkung mit kleinsten Dosen dürften rasa-Medikamente oft anderen Arzneimitteln vorgezogen werden und daher auch häufig für eine Reihe von Krankheiten eingesetzt werden.

Verschiedene Studien an Ratten zeigen, dass fachgerecht hergestellte metallische Medikamente für die innere Einnahme sicher sind und überhaupt keine toxischen Wirkungen aufweisen. Pradeep Kumar Prajapati bemerkt in seiner pharmazeutischen ‚Study on Makararadhvaja‘: „Abschließend kann gesagt werden, dass in therapeutischen Dosen die Arznei (Makaradhvaja, ein Präparat mit Quecksilber, Gold, Schwefel, Mineralien und Pflanzenpulver [S. A.]) für die Körpergewebe ungiftig ist und die Körpergewebe sogar zu mehr Tätigkeit anregt“ (Prajapati P. K., 1998). Lavekar et al. legt dar: „Mahayograj guggulu [3] wurde als sicher auf allen getesteten Ebenen der Dosierung befunden. Keine großen Veränderungen wurden in Bezug auf Hämatologie, Serum Biochemie, Nekropsie und Histopathologie bei therapeutisch befürworteter Dosierung beobachtet. Das Testmedikament kann gut zugelassen werden, da keine Veränderungen von ernsthafter Natur in keinem der beurteilten Parameter beobachtet werden konnten“ (Lavekar, 2010). Allerdings basieren diese Pro-rasa-Studien auf Tierversuchen. In Zukunft wird es sehr wichtig sein, mehr klinische Studien über dieses Thema durchzuführen sowie als nächsten Schritt spezielle Forschungen an Menschen.

Mithilfe der Nanotechnologie kann heute nachgewiesen werden, dass die bhasmas, die seit langem im Ayurveda verwendet werden, biologisch erzeugte Nanopartikel sind und sichere Wirkstoffe in der Therapeutik (Sarkar P. K.,2010 a). Diese Arzneien (bhasmas) werden direkt in das Zielgewebe geleitet, wo sie effektiv am Kern der Krankheit wirken. Die Studie von Mohapatra und Jha über Svarna makshika bhasma (Eisen, Kupfer, Schwefel, Chalkophyrit), einem Medikament, das bei Anämie (pandu), Schlaflosigkeit (anidra), Krämpfen (apasmara), schlechter Verdauung (mandagni), Hautkrankheiten (kushtha) usw. eingesetzt wird und ebenso als wirkungsstarkes rasayana-Arzneimittel gilt, wies darauf hin, dass „die Teilchengröße des Rohmaterials zwischen 6 und8 µ lag, während die der bhasma-Teilchen 1-2 µ entsprach“. Das Ergebnis der Studie lautet: „Dies kann einer der wichtigen Faktoren sein für die Standardisierung der bhasmas. Somit können moderne Technologien in der richtigen Kennzeichnung ayurvedischer Arzneiformen und Vereinheitlichung ayurvedischer Medizin hilfreich sein“ (Mohapatra S., 2010). Eine weitere Studie wurde durchgeführt, um die Wirkung konventionell hergestellter Svarna makshika bhasma (SMB) auf verschiedene bio-chemische Parameter an Versuchsratten auszuwerten, so dass eine wissenschaftliche Datenbank für die logische Anwendung in der klinischen Praxis erstellt werden kann. Die Studie hob am Schluss hervor, dass der Gebrauch von SMB an Versuchstieren keine signifikanten Veränderungen auf den Parametern der Leberfunktion anzeigt. Das weist darauf hin, dass der Gebrauch traditioneller Metall-/Mineral- bhasmas, selbst bei Langzeit-Verabreichung, sicher ist.

„Daher ist das konventionell hergestellt bhasma eine edle Arzneiform ayurvedischer Behandlung und kann sehr effektiv angewendet werden, vorausgesetzt, es wird entsprechend den Normen der Hersteller und den traditionellen Parametern strenger Qualitätskontrollen hergestellt ist (Mohapagtra S., 2011).

Um die mögliche Anwendung der rasa- Präparate im Westen zu fördern und auch die Lehre dieser alten Wissenschaft im Westen zu verbreiten – wie dies von der Weltgesundheitsorganisation gefordert wird – sind die folgenden Erfordernisse notwendig:

Mögen zukünftige wissenschaftliche Forschungen über Rasa Shastra-Pharmaka zum Wohl der Menschheit durchgeführt werden mit dem Ziel, Krankheiten und Leiden zu lindern und die Gesundheit der Menschheit für den Rest der Welt zu fördern. Wenn eine große Bevölkerungszahl in Indien aus dieser Wissenschaft Nutzen zieht, dann sollte seine Nützlichkeit nicht ignoriert werden ­ natürlich immer mit der Priorität der Sicherheit für die Patienten.

 

Fußnoten

[1] Rasa Ratna Samuchchaya, 11/23
[2] Rasa Ratna Samuchchaya, 11/41
[3] Rasa Ratna Mahayograj guggulu enthält Quecksilber, Zinn, Silber, Blei, Eisen, mineralische- und Kräuterpulver.

Referenzen

R.R.S. (1998). Rasa Ratna Samuchchaya. 1, Chapter 5/139. New Delhi: Meherchand Laxmandas Publications.
R.S.S., R. (2003). Krishna Gopal Bhatt, commented by Dr. Indra Dev Tripathi. Chaukhabha Orientalia.