{"id":26929,"date":"2024-09-18T17:07:53","date_gmt":"2024-09-18T15:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/?p=26929"},"modified":"2024-09-30T17:13:05","modified_gmt":"2024-09-30T15:13:05","slug":"die-traditionelle-chinesische-medizin-und-das-stille-qi-gong-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/de\/verschiedenes\/die-traditionelle-chinesische-medizin-und-das-stille-qi-gong-iv\/","title":{"rendered":"Die Traditionelle Chinesische Medizin und das Stille Qi Gong   [IV]"},"content":{"rendered":"<h2><b><\/b><b>Ursachen von Krankheit aus der Sicht der TCM<\/b><\/h2>\n<h3><b>Wege zur Gesundheit mit dem Stillen Qi Gong<\/b><\/h3>\n<p>Dass Krankheit zum Menschsein geh\u00f6rt, l\u00e4sst sich nicht leugnen. Was aber ist Krankheit und wie entsteht sie? Die Antwort der traditionellen chinesischen Medizin auf diese Fragen lautet: Krankheit ist ein Ungleichgewicht von Yin und Yang im Menschen und wird folglich durch alles verursacht, was das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Kr\u00e4ften des Universums st\u00f6rt. In den Worten des legend\u00e4ren Gelben Kaisers Huangdi (2697 2597 v. Chr.), des Klassikers der chinesischen Medizin, hei\u00dft es: \u201eEine F\u00fclle an Yin f\u00fchrt zu einer Schw\u00e4chung des Yang, und eine F\u00fclle an Yang f\u00fchrt zu einer Schw\u00e4chung an Yin.\u201c<\/p>\n<p>Das bekannte altchinesische Symbol von Yin und Yang zeigt die Gegens\u00e4tze von hell und dunkel, eingebettet in die Vollkommenheit eines Kreises. Diese Symbolik dr\u00fcckt eine tiefe Weisheit aus: Alles, was existiert, kann nur dann zur Ganzheit, Einheit, Harmonie gelangen, wenn die Spannung der scheinbaren Gegens\u00e4tze und das kreative Wechselspiel zwischen ihnen ausgehalten und so weit wie m\u00f6glich ausbalanciert wird.<\/p>\n<p>Nur vollkommene Wesen sind dazu in der Lage. F\u00fcr den Menschen gilt, dass er immer wieder aus der harmonischen Ganzheit herausf\u00e4llt, da er ganz nat\u00fcrlich Disharmonien in sich tr\u00e4gt und in seiner Umgebung vorfindet.<\/p>\n<p>Im Folgenden soll sich der Blick zun\u00e4chst auf die verschiedenen Ursachen richten, die zu Krankheit ausl\u00f6senden Disharmonien f\u00fchren, ohne dabei jedoch Vollst\u00e4ndigkeit zu beanspruchen.<\/p>\n<p>Danach wird eine \u00dcbung aus dem Stillen Qi Gong beschrieben, die der Qi Gong Meister Zhi Chang Li in M\u00fcnchen lehrt. Sie stellt die Balance von Yin und Yang her und f\u00fchrt in tiefe Stille. Mit der Ruhe Herr \u00fcber die Unruhe zu werden, darum geht es im Stillen Qi Gong.<\/p>\n<h3><b>1. Innere Ursachen<\/b><\/h3>\n<p>Disharmonien oder St\u00f6rungen des Gleichgewichts k\u00f6nnen auf der Ebene des K\u00f6rpers, d. h. des Ausgeformten, Festen (Jing), des Qi und des Geistes (Shen) auftreten und sich in Form verschiedener Symptome zeigen. Da alle drei Ebenen \u2013 man spricht vom Modell der drei kosmischen Zonen \u2013 miteinander in Beziehung stehen und sich wechselseitig beeinflussen, wirkt sich jede St\u00f6rung auf der Ebene des K\u00f6rpers auch auf das Qi und den Geist des Menschen aus, und umgekehrt k\u00f6nnen Disharmonien von Qi und Geist ihrerseits Krankheiten des K\u00f6rpers hervorrufen.<\/p>\n<p>N\u00e4her zu betrachten ist dabei die Rolle des Qi. Nach dem Denkmodell der traditionellen chinesischen Philosophie stellt Qi das Bindeglied zwischen dem Materiellen und dem Geistigen dar, hat aber auch in sich verschiedene Qualit\u00e4ten. So gibt es das Qi, das dem K\u00f6rperlichen in seiner Struktur recht nahe steht, und das Qi, das immer feiner und subtiler wird, so dass man auch vom Qi des Geistes spricht. Wenn ein Organ erkrankt, ist zuerst dessen Qi, sei es das Yin\u2013Qi oder das Yang\u2013Qi aus der Balance geraten. Dies wirkt sich wiederum auf die den Organen zugeordneten Gef\u00fchle aus. Das kann auch in umgekehrter Weise betrachtet werden: Sind die Gef\u00fchle anhaltend aus dem Gleichgewicht geraten, wird das Qi der entsprechenden Organe und danach das Organ selbst in Mitleidenschaft gezogen, bis sich schlie\u00dflich Krankheit manifestiert.<\/p>\n<p>Die Zuordnung der 5 Organpaare zu den 5 Emotionen nach der traditionellen chinesischen Medizin wird wie folgt beschrieben:<\/p>\n<ul>\n<li><i><\/i><i>Leber und Gallenblase werden durch anhaltenden \u00c4rger in ihrer Funktion gest\u00f6rt,<\/i><\/li>\n<li><i><\/i><i>Herz und D\u00fcnndarm durch \u00fcberschie\u00dfende Freude,<\/i><\/li>\n<li><i><\/i><i>Lunge und Dickdarm durch nicht enden wollende Trauer,<\/i><\/li>\n<li><i>Milz und Magen durch st\u00e4ndige Sorgen,<\/i><\/li>\n<li><i><\/i><i>Nieren und Blase durch gro\u00dfen Schreck.<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>Gef\u00fchle sind in sich weder schlecht noch gut. Sie geh\u00f6ren zur Natur des Menschen. Dessen Aufgabe ist es, all das, was er mitbekommen hat, zu pflegen und zu entwickeln. Das Ziel ist, zu einem ruhigen Gleichgewicht der Gef\u00fchle zu gelangen.<\/p>\n<h4><b>\u00c4rger<\/b><\/h4>\n<p>Nach der Auffassung der TCM geh\u00f6ren neben \u00c4rger auch Groll, Wut, schlechte Laune, Reizbarkeit zu den Zust\u00e4nden, die das Leber-Qi behindern, ja zum Stocken bringen.<\/p>\n<p>Die Wirkung ist immer wechselseitig: Stagnierendes Leber-Qi f\u00fchrt zum Gef\u00fchlsstau mit den dann unvermeidlichen Gef\u00fchlsausbr\u00fcchen, und st\u00e4ndige Unzufriedenheit, \u00c4rger, Groll und Wut bringen das Leber-Qi in Disharmonie. Als Folge davon k\u00f6nnen Kopfschmerzen, Schwindel, hoher Blutdruck, Milz- und Magenprobleme entstehen, ebenso kann sich im Verhalten Sturheit, H\u00e4rte oder Kontrolle entwickeln. Kann das Leber-Qi aber frei flie\u00dfen, bleiben auch diese Gef\u00fchle in Harmonie.<\/p>\n<h4><b>Freude<\/b><\/h4>\n<p>Die das Herz sch\u00e4digende Emotion wird vielleicht besser mit den Begriffen \u00dcbererregbarkeit, \u00dcberschwang oder ungez\u00fcgelte Freude ausgedr\u00fcckt. Himmelhoch jauchzend, \u00fcberm\u00e4\u00dfig aktiv, hektisch zu sein, all dies l\u00e4sst das Feuer im K\u00f6rper unkontrolliert lodern. Das f\u00fchrt zu Unruhe, Unrast, Herzrasen, Schlaflosigkeit. Nach der TCM ist der Sitz des Herzens im Kopf. Das bedeutet, dass es das Herz ist, das den Geist (Shen) kontrolliert. Kann das Herz den Geist nicht beruhigen, kann das zu vielen geistigen und psychischen St\u00f6rungen f\u00fchren.<\/p>\n<h4><b>Sorge<\/b><\/h4>\n<p>Endloses Gr\u00fcbeln und Schwerm\u00fctigkeit, auch \u00fcberm\u00e4\u00dfige geistige Anstrengung f\u00fchren zu Disharmonie und sch\u00e4digen nach der Auffassung der chinesischen Medizin vor allem die Milz. Ist das Qi der Milz gesch\u00e4digt, hat dies \u00c4ngstlichkeit und Pessimismus zur Folge. Daraus entsteht erneut sorgenvolles Gr\u00fcbeln, das wiederum zu M\u00fcdigkeit, Lustlosigkeit und Konzentrationsschw\u00e4che f\u00fchrt.<\/p>\n<h4><b>Trauer<\/b><\/h4>\n<p>Ungel\u00f6ste Trauer und lange anhaltender Kummer schw\u00e4chen das Qi der Lunge. Dann kann die Lunge ihre Aufgabe, das Qi im K\u00f6rper zu verteilen, nicht mehr erf\u00fcllen. Es treten allgemeine Symptome des Qi-Mangels auf, wie Schw\u00e4che, M\u00fcdigkeit. \u00d6deme, Schwei\u00dfbildung, auch Husten und Asthma k\u00f6nnen entstehen.<\/p>\n<h4><b>Schreck<\/b><\/h4>\n<p>Durch immer wiederkehrende Schrecken und \u00c4ngste wird das Qi der Nieren geschw\u00e4cht. Ein gest\u00f6rtes Nieren-Qi kann nicht nur zu vielf\u00e4ltigen Beeintr\u00e4chtigungen im Urogenitalbereich f\u00fchren. Da sich das Ursprungs-Qi in den Nieren befindet, beeintr\u00e4chtigt ein schwaches Nieren-Qi alle Organe. Bettn\u00e4ssen bei Kindern kann ebenfalls Ausdruck eines geschw\u00e4chten Nieren-Qi sein.<\/p>\n<h3><b>2. \u00c4u\u00dfere Ursachen<\/b><\/h3>\n<p>Klimatische Faktoren k\u00f6nnen als so genannte \u00e4u\u00dfere \u00dcbel krankheitsausl\u00f6send wirken und das Gleichgewicht des K\u00f6rpers beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Zu diesen \u00e4u\u00dferen \u00dcbeln z\u00e4hlen Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und K\u00e4lte.<\/p>\n<h4><b>Wind<\/b><\/h4>\n<p>In der Natur verursacht Wind Bewegung. Wenn er sich zum Sturm ausw\u00e4chst, kann er auch zu heftigen Ersch\u00fctterungen f\u00fchren. Wind hat Yang-Charakter. Dringt Wind in den K\u00f6rper ein, entstehen Windkrankheiten, die pl\u00f6tzlich auftreten und oft heftig verlaufen. Kommt K\u00e4lte hinzu, k\u00f6nnen die Winde leicht in die Tiefe gelangen und Bronchien und Lungen erreichen. Der K\u00f6rper reagiert mit der gew\u00f6hnlichen Erk\u00e4ltung, wobei Fr\u00f6steln, Niesen, w\u00e4ssriger Schnupfen die K\u00e4ltesymptome einer Wind-Disharmonie sind. Haben diese ihren H\u00f6hepunkt erreicht, schlagen sie in Hitzesymptome um mit Fieber, trockenem Husten, gelbem Schnupfen.<\/p>\n<p>In der chinesischen Medizin geh\u00f6rt der Wind zum Fr\u00fchling. Dem Fr\u00fchling entspricht das Element Holz, Holz wird der Leber als Organ zugeordnet. Nach dem Verst\u00e4ndnis der TCM k\u00f6nnen in dieser Jahreszeit verst\u00e4rkt Leberkrankheiten auftreten, sie k\u00f6nnen aber in dieser Jahreszeit auch am besten geheilt werden, da die aufsteigende Lebenskraft des Fr\u00fchlings f\u00fcr die Heilung genutzt werden kann. Man spricht auch vom inneren Leberwind, der aufsteigen und damit den ganzen K\u00f6rper mit Zittern und Beben ersch\u00fcttern kann. Das kann sich als Epilepsie, als Morbus Parkinson, als Schlaganfall, um einige zu nennen, \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<h4><b>Hitze<\/b><\/h4>\n<p>Die Begriffe Hitze und Feuer werden in der chinesischen Medizin h\u00e4ufig gleichbedeutend verwendet. Beide haben Yang-Charakter und werden dem Sommer zugeordnet. Hitze trocknet aus, Feuer l\u00e4sst lodernde, aufw\u00e4rtsstrebende Bewegung entstehen. Zu Feuer- oder Hitzeerkrankungen geh\u00f6ren alle Entz\u00fcndungen, Verbrennungen, R\u00f6tungen, Fieber. Trockene Haut, Verstopfung, sp\u00e4rlicher Urin weisen darauf hin, dass zu viel Hitze die Fl\u00fcssigkeiten des K\u00f6rpers ausgetrocknet hat.<\/p>\n<p>Psychisch kann sich eine Hitze-Disharmonie auch in Unruhe, Erregbarkeit, bis hin zum Delirium \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Inneres Feuer als Folge von zu schwachem Nieren-Yin kann sich zerst\u00f6rerisch auf alle Organe auswirken, so dass der ganze Organismus langsam austrocknet.<\/p>\n<h4><b>Feuchtigkeit<\/b><\/h4>\n<p>Feuchtigkeit hat Yin-Charakter und entspricht in der chinesischen Medizin dem Element Erde. Feuchtigkeit in der Natur zeigt sich schwer, z\u00e4h, tr\u00e4ge, klebrig. Ist Feuchtigkeit im K\u00f6rper, f\u00fchlt es sich \u00e4hnlich an: Die Extremit\u00e4ten sind schwer, das Denken ist verschwommen, die Bewegungen sind tr\u00e4ge, der Speichel ist klebrig, Schleim bildet sich im K\u00f6rper. Vor allem die Milz kann durch zu viel Feuchtigkeit, das hei\u00dft durch zu viel Yin, gesch\u00e4digt werden. Das f\u00fchrt h\u00e4ufig zu Bl\u00e4hungen und zu Durchfall. \u00d6deme k\u00f6nnen sich bilden, Gelenkleiden und Rheuma k\u00f6nnen entstehen.<\/p>\n<p>Feuchtigkeit wird nach chinesischer Auffassung dem Sp\u00e4tsommer zugeordnet. Das ist jedoch in den verschiedenen Klimazonen recht unterschiedlich. Paart sich die Feuchtigkeit mit K\u00e4lte, wie es in den k\u00e4lteren Regionen \u00fcblicherweise im Herbst geschieht, werden vor allem die Lungen gesch\u00e4digt.<\/p>\n<h4><b>K\u00e4lte<\/b><\/h4>\n<p>K\u00e4lte in der Natur wirkt verh\u00e4rtend, erstarrend, zusammenziehend. K\u00e4lte hat Yin-Charakter.<\/p>\n<p>K\u00e4lte geh\u00f6rt zum Winter und wird in der chinesischen Medizin dem Element Wasser zugeordnet.<\/p>\n<p>Wenn K\u00e4lte bis in die Knochen in den K\u00f6rper dringt, schmerzen alle Glieder. Das kalte Yin tritt an die Stelle des w\u00e4rmenden Yang. Das kann durch anhaltende \u00e4u\u00dfere K\u00e4lte geschehen, doch auch durch zu wenig Yang in der Nahrung oder durch zu viel kaltes Essen und Trinken. Es entstehen Disharmonien von Milz und Magen, so dass Bl\u00e4hungen und Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen auftreten k\u00f6nnen. Ist der Lebermeridian von diesem Ungleichgewicht betroffen, k\u00f6nnen Erkrankungen im Urogenitalbereich auftreten.<\/p>\n<p>Auf der Gef\u00fchlsebene sind es Schreck und Angst, die den Menschen zum Erstarren bringen, vergleichbar mit dem zum Eis erstarrten Wasser.<\/p>\n<h4><b>Trockenheit<\/b><\/h4>\n<p>Extreme Trockenheit ist krankmachendes Yang. Ist sie mit Hitze und hei\u00dfen Winden verbunden, trocknen alle K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten aus, Ersch\u00f6pfung tritt ein, die Haut wird rissig, die Lippen spr\u00f6de, und werden die Lungen befallen, entsteht schmerzhafter, trockener Husten.<\/p>\n<p>Die Trockenheit wird in der chinesischen Medizin dem Herbst zugeordnet. Das ist ebenfalls je nach Klimazone sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dfere Einfl\u00fcsse haben immer ihre Wirkung auf den Menschen, ob sie jedoch zu Krankheiten f\u00fchren, h\u00e4ngt vom Zustand des Qi im Menschen ab, d. h. vom Gleichgewicht des Yin und Yang. Ist der Mensch weitgehend in der Balance, was sich auch in seinem Verhalten und in seinen Essgewohnheiten ausdr\u00fcckt, werden die \u00e4u\u00dferen, klimatischen Einfl\u00fcsse jedoch keine so gro\u00dfe Wirkung haben.<\/p>\n<h3><b>3. Konstitution und Lebensweise als Ursachen f\u00fcr Krankheit<\/b><\/h3>\n<p>Die TCM geht von der urspr\u00fcnglichen Lebensessenz und vom urspr\u00fcnglichen Lebens Qi, beides vorgeburtlich erworben, als Grundlage f\u00fcr die Konstitution und als ma\u00dfgeblich f\u00fcr das Schicksal eines Lebens aus. Jeder Mensch bringt in dieses Leben Disharmonien und Anlagen zu Disharmonien mit, doch gibt es g\u00fcnstige und weniger g\u00fcnstige solcher \u201eMitbringsel\u201c. Hier beginnt, sobald ein menschliches Wesen dazu in der Lage ist, die eigene Verantwortung, um durch Ern\u00e4hrung, durch den Lebensrhythmus, durch verantwortlichen Umgang mit der Sexualit\u00e4t allzu gro\u00dfe Ungleichgewichte auf Dauer zu vermeiden oder solchen vorzubeugen.<\/p>\n<ul>\n<li><b><\/b><strong>Wege zur Gesundheit \u2013 eine \u00dcbung des Stillen Qi Gong<br \/>\n<\/strong><b>Oder: Ruhe ist der Herr der Unruhe<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele M\u00f6glichkeiten werden diskutiert, um aus der Krankheit wieder herauszukommen oder sie wom\u00f6glich im Voraus zu vermeiden. Im Tao Te King, das dem Lao Tse zugeschrieben wird, findet man im Kap. XVI folgenden Spruch:<\/p>\n<p><i>\u201eWer den Ent\u00e4u\u00dferung Gipfel erreicht hat, <\/i><i>bewahrt unersch\u00fctterliche Ruhe. <\/i><i>Alle Wesen miteinander treten hervor, <\/i><i>und ich sehe sie wieder zur\u00fcckgehen. <\/i><i>Wenn die Wesen sich entwickelt haben, <\/i><i>kehrt jedes zur\u00fcck in seinen Ursprung. <\/i><i>Zur\u00fcckgekehrt in den Ursprung, hei\u00dft: Ruhe.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Die \u00dcbungsmethoden des Stillen Qi Gong beziehen sich auf Lao Tse und betonen daher die Stille, die Ruhe, um dadurch die Unruhe zu beherrschen. Der Kern allen \u00dcbens und aller Methoden im Stillen Qi Gong besteht ausdr\u00fccklich darin, den Punkt zu finden, aus dem heraus sich Ruhe und Stille entwickeln k\u00f6nnen. Wenn es gelingt, durch Ruhe und Stille Herr \u00fcber die Unruhe zu werden, kann das Gleichgewicht trotz aller inneren und \u00e4u\u00dferen St\u00f6rungen wieder hergestellt und allm\u00e4hlich immer mehr aufrecht erhalten werden.<\/p>\n<h4><b>1. Vorbereitung der \u00dcbung<\/b><\/h4>\n<p>Wie bei allen Qi Gong \u00dcbungen der Stille ist die Vorbereitung bereits der wichtigste Schritt, um eine Art Trance oder den \u201eQi Gong- Zustand\u201c zu erreichen.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Wirbels\u00e4ule sollte aufgerichtet sein. Sie stellt symbolisch die Verbindung zwischen Himmel und Erde dar. Um die Wirbels\u00e4ule wirklich zu strecken, wird die Lendenwirbels\u00e4ule leicht nach hinten geschoben, das Kinn senkt sich etwas zum Brustbein hin ab, so dass sich die Halswirbels\u00e4ule begradigt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die Stirn gl\u00e4tten, d. h. die Gedanken zur Ruhe kommen lassen. Den Bereich zwischen den Augenbrauen weiten und gl\u00e4tten. Die Augenlider sind wie schwere Vorh\u00e4nge, die sich vor den Augen absenken. Der innere Blick geht nun nicht mehr nach vorn, sondern wendet sich nach hinten, oben in den Hinterkopf hinein. Das alles sollte ohne M\u00fche, ohne Zwang geschehen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Nahe und ferne Ger\u00e4usche wahrnehmen, \u201ein den Kosmos hinauslauschen\u201c (Li), ganz unbeeindruckt wieder zur\u00fcckkehren und ins Innere lauschen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Den Atem still werden lassen. Die Lungenatmung wird immer langsamer, immer tiefer, bis sie schlie\u00dflich kaum mehr wahrnehmbar ist. Die \u201e 6 Wurzeln\u201c kappen, d.h. die Sinnesorgane und das Bewusstsein werden von der \u00e4u\u00dferen Welt zur\u00fcckgenommen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Vom Herzen geht ein L\u00e4cheln aus, das sich \u00fcber das Gesicht und den ganzen K\u00f6rper ausbreitet. \u201eWer mit dem Herzen l\u00e4cheln kann, hat seine Mitte gefunden.\u201c (Li)<\/li>\n<\/ul>\n<h4><b>2. \u00dcbungsverlauf<\/b><\/h4>\n<p>Bei dieser \u00dcbung geht man mit der inneren Aufmerksamkeit und den entsprechenden Kl\u00e4ngen durch die Mitte des K\u00f6rpers<\/p>\n<p><b><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26906 alignleft\" src=\"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-115x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"115\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-115x300.jpeg 115w, https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-211x550.jpeg 211w, https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-589x1536.jpeg 589w, https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-785x2048.jpeg 785w, https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-700x1827.jpeg 700w, https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Foto-OMAH-scaled.jpeg 981w\" sizes=\"(max-width: 115px) 100vw, 115px\" \/>\u00a0 \u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>OM<\/b><\/p>\n<p><b>AH<\/b><\/p>\n<p><b>HUM<\/b><\/p>\n<p><b>SO<\/b><\/p>\n<p><b>HA<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>OM:<\/b> Mit leicht gespitzten Lippen, erst laut, dann immer leiser werdend, den Klang OM intonieren, w\u00e4hrend die Aufmerksamkeit im Zentrum hinter der Stirn zwischen den Augenbrauen verweilt. \u2013 Das Zentrum hinter der Stirn wird \u201eOberes Dantien\u201c (Shang Dantien) genannt. \u2013 Dieses Zentrum saugt Qi aus dem Kosmos an. Das kann wie ein Sog von au\u00dfen nach innen wahrgenommen werden. Von der Stirn str\u00f6mt Qi, begleitet vom gleichm\u00e4\u00dfigen Klang OM, der nie abrei\u00dft, \u00fcber das Kehlzentrum in das Herz und in den ganzen K\u00f6rper. Die Aufmerksamkeit aber bleibt im Kopfraum: in der Stirn (Yintang); am Scheitel (Bahui), am Jadekissen, ein etwa faustgro\u00dfer Energieplatz am Hinterkopf (Yuzhen).<\/p>\n<p>20 bis 40 Minuten lang mit dem Klang OM Qi \u00fcber die Stirn in den K\u00f6rper einstr\u00f6men lassen und dabei l\u00e4chelnd, gelassen das Einstr\u00f6men beobachten, bis schlie\u00dflich kein OM, kein Atem, kein Einstr\u00f6men mehr wahrgenommen wird. Wenn dies gelingt, ist das einstr\u00f6mende Qi sehr fein, so dass viele Blockaden im K\u00f6rper damit aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die Farbe, die dabei visualisiert werden kann, ist ein strahlendes Wei\u00df.<\/p>\n<p><b>AH:<\/b> Die Aufmerksamkeit sammelt sich im Kehlzentrum. Das AH erklingt, erst laut, dann immer leiser werdend. Wahrnehmung und Empfindung f\u00fcr den Klang AH sind zun\u00e4chst sehr konkret und werden dann immer diffuser. Der Klang existiert und er existiert nicht, ebenso der Atem. Die Farbe dieses Klanges ist rot.<\/p>\n<p><b>HUM:<\/b> Die Aufmerksamkeit sammelt sich in der Brustmitte, d. h. am Kreuzungspunkt des Mittelkanals (Zhongmai) mit einer gedachten waagrechten Achse, die zwischen der Mitte des Brustbeins und der Brustwirbels\u00e4ule im Bereich der 3. und 4. Brustwirbel verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Dieser Bereich wird \u201edie Mitte des Herzens\u201c genannt oder \u201emittleres Dantien\u201c (Zhong Dantien). Hier erklingt das HUM, erst deutlich, dann immer leiser werdend, die beobachtende Aufmerksamkeit wird immer diffuser, immer unkonkreter. Die Farbe ist blau. Langsam breitet sie sich im ganzen Brustraum aus.<\/p>\n<p>Danach kann man in der gleichen Vorgehensweise alle drei Kl\u00e4nge in der Mitte des Herzens erklingen lassen und dabei immer tiefer in die Stille gelangen.<\/p>\n<p><b>SO:<\/b> Dieser Klang ist mit der Farbe gelb verbunden. Wiederum auf dem Mittelkanal gelegen, diesmal auf der Schnittstelle mit einer gedachten Linie, die den Nabel mit dem Bereich der 2. und 3. Lendenwirbel verbindet. Diese Stelle wird Lebenstor genannt. (Mingmen)<\/p>\n<p><b>HA:<\/b> Die Aufmerksamkeit ruht bei diesem Klang, dem die Farbe rubinrot zugeordnet ist, etwa 3 bis 4 Finger breit unter dem Nabel. Dieser Bereich wird unteres Dantien (Xia Dantien) genannt. Man verweilt dort in ruhiger Achtsamkeit, dann kann die \u00dcbung von vorn beginnen und, so wird es empfohlen, 108-mal wiederholt werden.<\/p>\n<h4><b>3. Wirkung der \u00dcbung:<\/b><\/h4>\n<p>Der Bereich des Kopfes wird in der chinesischen Medizin dem Yang des Himmels zugeordnet, der Bauchraum entsprechend dem Yin der Erde. Der Brustraum mit dem Herzzentrum steht f\u00fcr den Menschen. Der hier aufgezeigte \u00dcbungsweg f\u00fchrt vom h\u00f6chsten Yang \u00fcber die Mitte zum tiefsten Yin, so dass die beiden gro\u00dfen Pole des Makrokosmos im Mikrokosmos Mensch durch diese \u00dcbung in Harmonie gebracht werden k\u00f6nnen. Ist die Harmonie wiederhergestellt, entsteht Ruhe. Ist Ruhe vorhanden beim \u00dcben, entsteht Harmonie. Ruhe und harmonisches Gleichgewicht bahnen den Weg zur Gesundheit.<\/p>\n<h4><i>Quellenverzeichnis:<\/i><\/h4>\n<p>Lao-Tse: Tao Te King, Manesse Verlag, Z\u00fcrich, 1959<\/p>\n<p>Li, Zhi Chang: Setz dich hin und tue nichts, Heyne Verlag, M\u00fcnchen, 2002<\/p>\n<p>Cooper, J.C.: Der Weg des Tao, Scherz Verlag, Bern, 1977<\/p>\n<p>Williams, Tom: Chinesische Medizin, Mosaik Verlag, M\u00fcnchen, 1998<\/p>\n<p>Palos, Stephan: Chinesische Heilkunst, Scherz Verlag, Bern, 1984<\/p>\n<h4>Zusammengestellt von Brigitta Pfl\u00fcger-Meienberg<\/h4>\n<h4><i>Entnommen Paracelsus Health &amp; Healing, I\/11<\/i><\/h4>\n<h4>Foto: \u00a9 Pixabay<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursachen von Krankheit aus der Sicht der TCM Wege zur Gesundheit mit dem Stillen Qi Gong Dass Krankheit zum Menschsein geh\u00f6rt, l\u00e4sst sich nicht leugnen. Was aber ist Krankheit und wie entsteht sie? Die Antwort der traditionellen chinesischen Medizin auf diese Fragen lautet: Krankheit ist ein Ungleichgewicht von Yin und Yang im Menschen und wird folglich durch alles verursacht, was das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Kr\u00e4ften des Universums st\u00f6rt. In den Worten des legend\u00e4ren Gelben Kaisers Huangdi (2697 2597 v. Chr.), des Klassikers der chinesischen Medizin, hei\u00dft es: \u201eEine F\u00fclle an Yin f\u00fchrt zu einer Schw\u00e4chung des Yang, und eine F\u00fclle an Yang f\u00fchrt zu einer Schw\u00e4chung an Yin.\u201c Das bekannte altchinesische Symbol von Yin und Yang zeigt die Gegens\u00e4tze von hell und dunkel, eingebettet in die Vollkommenheit eines Kreises. Diese Symbolik dr\u00fcckt eine tiefe Weisheit aus: Alles, was existiert, kann nur dann zur Ganzheit, Einheit, Harmonie gelangen, wenn die Spannung der scheinbaren Gegens\u00e4tze und das kreative Wechselspiel zwischen ihnen ausgehalten und so weit wie m\u00f6glich ausbalanciert wird. Nur vollkommene Wesen sind dazu in der Lage. 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