{"id":17718,"date":"2018-12-12T15:43:56","date_gmt":"2018-12-12T14:43:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/?p=17718"},"modified":"2022-11-08T17:04:36","modified_gmt":"2022-11-08T16:04:36","slug":"editorial-2018-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/de\/traditionelle-westliche-medizin\/editorial-2018-6\/","title":{"rendered":"Editorial 2018\/6"},"content":{"rendered":"<p>Das Programmieren des Verstandes ist auf dem Vormarsch. W\u00e4hrend solches Programmieren f\u00fcr geordnete Arbeitsabl\u00e4ufe notwendig ist, greift die Gewohnheit, alles zu programmieren, inzwischen auf die Freizeit \u00fcber, die eigentlich zum Entspannen gedacht ist. Wenn die Freizeit ebenfalls verplant und jede Stunde mit Aktivit\u00e4ten vollgestopft wird, geht das Beste von ihr verloren. Freizeit sollte mit Spontaneit\u00e4t als zugrundeliegendem Merkmal erlebt werden. Wenn man sie plant und ihren Ablauf vorher festlegt, bewirkt man genau das Gegenteil der eigentlichen Freizeit, nach der der Verstand sich sehnt.<\/p>\n<p>Moderne Menschen haben die einfache Entspannungstechnik verloren. Der Verstand neigt dazu, planm\u00e4\u00dfige T\u00e4tigkeiten auch noch in den Freizeitbereich zu packen. Die Gewohnheit, die Freizeit als Punkt auf die To-do-Liste zu setzen, ist das Paradox der heutigen Freizeitaktivit\u00e4t. Infolgedessen kann man die Freizeit nicht genie\u00dfen, obwohl doch genau das beabsichtigt war. Der nach allem greifende Verstand rei\u00dft die freie Zeit an sich und bleibt auch nach der so genannten Freizeit genauso wie vorher.<\/p>\n<p>Die Angst, etwas nicht zu schaffen, reicht bis in die Freizeit hinein und deshalb wird auch die Freizeit durchgehend geplant. Aufgrund der gewohnheitsm\u00e4\u00dfigen Einstellung, Freude empfinden zu m\u00fcssen, ist Freizeit keine freie Zeit mehr. Es ist ein Irrtum, wenn man meint, dass Freizeit zielf\u00fchrend sein muss. Deshalb versuchen die Menschen, in ihrer Freizeit mehr zu tun und sie genie\u00dfen die freie Zeit kaum. Plant man z.B., einen Roman zu Ende zu lesen, Berge zu besteigen, durch T\u00e4ler zu radeln oder Beach-Basketball zu spielen, wird die Freizeit in ihre entgegengesetzte Richtung gesteuert. Manche Menschen planen in ihrer freien Zeit das Auto zu waschen, die Fu\u00dfb\u00f6den zu wischen, im Hinterhof Gartenarbeiten zu machen usw. Solche Arbeiten mindern die Idee von der freien Zeit. Es wird immer schwieriger, sich von irgendeiner Art des Tuns fernzuhalten.<\/p>\n<p>Irgendwie besteht im Denken der zwingende Druck, die freien Tage im Kalender mit der einen oder anderen T\u00e4tigkeit zu f\u00fcllen. Solche Personen dringen sogar bis in die Zeit ihrer Freunde vor und verderben schlie\u00dflich ihre eigene Freizeit und auch die freie Zeit der anderen.<\/p>\n<p>Der Leitgedanke der Freizeit sollte sein, dass man an einem freien Tag die Dinge einfach geschehen l\u00e4sst, statt sie herbeizuf\u00fchren. Alle Dinge laufen besser und wir k\u00f6nnen Freude erleben, wenn wir nicht planen, sie in die Tat umzusetzen. Es ist an der Zeit, dass wir uns darauf besinnen, dass wir menschliche Wesen und nicht menschliche Macher sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Programmieren des Verstandes ist auf dem Vormarsch. W\u00e4hrend solches Programmieren f\u00fcr geordnete Arbeitsabl\u00e4ufe notwendig ist, greift die Gewohnheit, alles zu programmieren, inzwischen auf die Freizeit \u00fcber, die eigentlich zum Entspannen gedacht ist. Wenn die Freizeit ebenfalls verplant und jede Stunde mit Aktivit\u00e4ten vollgestopft wird, geht das Beste von ihr verloren. 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