Schicht um Schicht betrachten

Aus ayurvedischer Sicht sind für allergische Reaktionen mitunter alle drei Doshas (Bioenergien) verantwortlich: Vata-Dosha, das Bewegungsprinzip, Pitta-Dosha, das Umwandlungsprinzip und Kapha-Dosha, das erhaltende und stabilisierende Prinzip der Struktur. Sie werden auch als die Störfaktoren unserer Gesundheit betrachtet. Warum das so ist? Geraten die Bioenergien anhaltend aus der Balance, manifestieren sich je nach konstitutioneller Verfassung gesundheitliche Disharmonien. Werden diese nicht behandelt, das heißt die Doshas nicht wieder in ihre konstitutionelle Balance gebracht, manifestieren sich Krankheitsbilder.

Allergien sind aus der Perspektive der Schulmedizin eine Störung des Immunsystems, das eine Substanz unbegründet als schädlich einordnet und mit einer Antikörperreaktion reagiert, die eine allergische Reaktion hervorruft. Diese kann zum einen erblich bedingt sein oder im Leben erworben werden. Verantwortlich dafür sind Allergene (Substanzen). Diese können eingeatmet oder über die Nahrung, durch Berührung mit der Haut oder durch Insektenstiche allergische Reaktionen hervorrufen.

 

Störung der Körpergewebe

Im Gegensatz zur klassischen Medizin liegt der Schwerpunkt der ayurvedischen Behandlung nicht auf der Reaktion der Allergene. Die Therapie unterscheidet sich nach ihrer Symptomatik, die den Bioenergien, den betroffenen Körperpartien und den gestörten Körpergeweben zugeordnet werden. Die Manifestation von allergischen Reaktionen kann durch die Betrachtung der einzelnen Körpergewebe im Organismus gut nachvollzogen werden.

Das erste Körpergewebe Rasa entspricht dem Blutplasma. Kapha hat seinen Sitz in Rasa, dem Blutplasma. In seinen Eigenschaften und Qualitäten ist es der Bioenergie Kapha, gebildet aus den Elementen Wasser und Erde, sehr ähnlich.

„Ein erhöhtes Kapha spielt bei der Entstehung von Allergien eine wesentliche Rolle.“

Zusammen mit Ojas, der Lebensenergie, bestimmen Rasa und Kapha die Immunität des Körpers. Dies sind die wichtigsten Größen für alle Beeinträchtigungen des Immunsystems, so auch für allergische Reaktionen. Rasa nährt alle anderen Gewebe, ein Gewebe baut auf der Qualität des anderen auf.

Für eine optimale Beschaffenheit der verschiedenen Gewebe ist eine gesunde Ernährung und ein gesundes Agni-Verdauungsfeuer verantwortlich. Ist die Verdauungskraft beeinträchtigt, wird die Nahrung nicht optimal verdaut und das erste Gewebe Rasa, das Blutplasma, in seiner Qualität gemindert.

Es entsteht Ama (Stoffwechselschlacken), die ebenso wie Rasa alle Gewebe passieren, sich aber im Gegensatz zu Rasa in den verschiedenen Geweben ablagern und zu verschiedenen Krankheitsbildern führen können.

 

Frühling ist Kapha-Zeit

Da die Bioenergie Kapha, das Struktur gebende Prinzip, ihren Sitz im ersten Gewebe Rasa hat, spielt ein erhöhtes Kapha bei der Entstehung von Allergien eine wesentliche Rolle. Ist die Qualität von Kapha optimal, ist die Abwehrkraft gut. Ist die Qualität von Kapha stark beeinträchtig, ist die Abwehrkraft des Organismus schwach. Hier kommen Kapha reduzierende Therapien zum Einsatz, um Schleimentwicklung und Schwellung zu beseitigen. Ist Kapha jedoch anhaltend erhöht, ohne es zu reduzieren, kann es außer zu Erkältung und Wassereinlagerungen, zu Husten, Bronchitis, Nebenhöhleninfekten, Asthma und Allergien führen, die sich besonders im Frühjahr, der Kapha-Jahreszeit, bemerkbar machen, wenn die Blütenpollen die Luft erfüllen. Besonders Vata- und Kapha Konstitutionen sind betroffen von diesen Beschwerdebildern.

Wird Ama nicht aus Rasa ausgeleitet, gelangt es zum nächst folgenden Gewebe, Rakta, dem Blutgewebe, den roten Blutzellen. Rakta steht in enger Verbindung zum Pitta-Dosha, dem transformierenden Prinzip, bestehend aus den Elementen Feuer und etwas Wasser. Das bedeutet, bei pathologischer Zunahme des Nährgewebes Rakta, äußert sich dies durch Pittasymptome wie Hitze,

 

Gewebe

Nach der ayurvedischen Auffassung besteht der Körper hauptsächlich aus sieben Gewebearten:

  1. Rasa (Plasma), die Nahrungsessenz, passiert alle weiteren Gewebe
  2. Rakta (Blut)
  3. Mamsa (Muskelfleisch)
  4. Meda (Fettgewebe)
  5. Asthi (Knochengewebe)
  6. Majja (Knochenmark)
  7. Shukra (Fortpflanzungsgewebe – Samen, Eizellen)
  8. Ojas (Lebens- und Immunessenz, es ist verantwortlich für die Immunität)

Rötung, Augenrötung und -entzündung, Bauchschmerzen, Durchfall, Hautirritationen, Abszessen und Blutungen. Allergien für ein vorherrschendes Pitta-Dosha zeigen sich meist auf der Haut, in Form von Ekzemen oder Ausschlägen.

„Für ein allergiefreies Leben muss Ama aus den tiefen Geweben gelöst werden.“

Aufgrund seiner bedeutenden Symptomatik wird dem Nährgewebe Rakta bei den therapeutischen Maßnahmen spezielle Aufmerksamkeit gewidmet. Hier kommen besondere Pitta reduzierende Therapien zum Einsatz, um das Gewebe zu reinigen und die Bioenergie Pitta wieder zu harmonisieren.

Ein erhöhtes Vata-Dosha, das Prinzip der Bewegung, bestehend aus den Elementen Luft und Äther, äußert sich durch trockenen Husten, Atemnot, Schwindel, Verlust der Erdung, Blähungen und Gelenkschmerzen. Vata erzeugt den Niesreiz bei Heuschnupfen, die Atemkrämpfe bei Asthma und den Juckreiz bei Neurodermitis.

 

Agni und Ama

Agni: Durch die Verdauungskraft Agni kann die Nahrung verstoffwechselt werden und die Essenz der Nahrung die Zelle optimal mit Nährstoffen und Prana (Lebensenergie) versorgen. Die Qualität der Nahrung und der gesunden Verdauungskraft bestimmt die physische Kraft, die geistige Präsenz und das Charisma, mit welcher der Mensch seiner Umwelt begegnet.

Ama: Ama bedeutet unreif, ungekocht – das heißt, die Nahrung kann nur ungenügend verdaut und verstoffwechselt werden, da die Verdauungskraft – Agni – geschwächt ist. Es kommt zu Ablagerungen, Schlacken, die in ihren Eigenschaften der Bioenergie Kapha (kalt, feucht, schwer, dick, klebrig, trüb, schleimig) sehr ähnlich sind.

 

Augenmerk auf die Konstitution

Bei der Behandlung von Allergien ist eine genaue Anamnese und Betrachtung der Dosha bezogenen Symptome, unter Einbeziehung der Lebensverhältnisse und der geistigen Situation, die Basis für eine Erfolg versprechende Therapie. Die persönliche Konstitution entscheidet in den meisten Fällen über die Anfälligkeit für eine bestimmte Allergie.

Je nach Anamnese werden unterschiedliche Massagen und dosha-spezifische Kräuterzubereitungen angewendet. Das Ziel der Behandlung ist zuallererst, Ama aus den tiefen Geweben zu lösen und den Körper zu reinigen, um die Grundlage für ein allergiefreies Leben zu schaffen. Das heißt, ein gut funktionierendes Verdauungsfeuer, eine gesunde Ernährung und Lebensführung, lösungsorientierte Psychosomatik fördern gemeinsam mit begleitenden Naturheilmitteln den Aufbau einer intakten Hautbarriere, sowohl der der Oberhaut als auch der der Schleimhäute, der Atemwege und der des Magen- und Darmtraktes.

 

Ernährungs- und Verhaltens- Empfehlungen bei Allergien

Empfehlenswert ist, dass besonders die Lebensmittel gemieden werden, die das bereits erhöhte Dosha weiter erhöhen. Das heißt zum Beispiel bei einer Pitta-Aggravation, dass vor allem Saures, Scharfes, zu Fettes und zu Heißes nicht auf dem Speisezettel stehen sollte. In der Regel gilt eine Vata reduzierende Ernährung: leicht verdaulich, frisch zubereitet, warm, ernährend und befeuchtend.

Bei den folgenden Nahrungsmitteln vermeiden Sie bitte diejenigen, von denen Sie wissen, dass sie Ihnen nicht bekommen.

Empfohlene Nahrungsmittel: Weizen, Dinkel, Hafer, Reis, geschälte Mungbohnen, Bio-Gewürzmilch: abgekocht und warm (außer bei Durchfall).
Warme Ziegenmilch, Ghee, Sesamöl, Mandeln, Walnüsse.

Empfohlene Gemüse: Zucchini, Karotten, Kürbis, Spargel, Okra, Artischocken, Fenchel, Rote Bete, Topinambur, Kartoffeln, Steckrüben.

Empfohlenes Obst: Weintrauben, süße Äpfel, Papaya, Feigen, Datteln, Rosinen, Pflaumen, Mangos.

Zu meiden sind alle schwer verdaulichen, fetten, sauren, kalten Nahrungsmittel, z. B. rotes Fleich, Käse, saure Früchte wie Ananas und Beeren, die Verbindung zweier unterschiedlicher Eiweiße, wie Käse und Fleisch, Ei und Käse oder Fleisch, die Verbindung von Milch und Früchten, Milch und Salz.

Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, einen gesunden Schlaf- und Wachrhythmus, auf eine angemessene Abwechselung von Anspannungs- und Entspannungsphasen. Praktizieren Sie Yoga und Atemübungen, die das Nervensystem entspannen und die Achtsamkeit für den Atem schulen.

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Lebensmittelallergien

Betreffend der Lebensmittelallergien, wie zum Beispiel Weizen und Milch, gibt es in der ayurvedischen Medizin einige skeptische Meinungen. Es wird empfohlen, zu überprüfen, ob die Allergie wirklich eine Allergie ist, oder ob sie durch ein zu schwaches Agni-Verdauungsfeuer und dadurch entstandene AMA-Schlackstoffe ausgelöst wird und die Allergie nach der Reinigung verschwindet.

Bei bestehenden Allergien sollten unbedingt ein/e erfahrene/r Mediziner/in oder Heilpraktiker/in hinzugezogen werden, um einen persönlich entsprechenden Therapieplan aufzustellen.

 

…..wird fortgesetzt

 

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